AKTUELL REGIONAL ÜBER UNS ARCHIV THEMA LINKS KONTAKTE

 AVANTI

Oktober 2001

Avanti Oktober 2001: download der Internetseiten
Avanti Oktober 2001: download im Originallayout 861 Kb

 

INNEN
ArbeiterInnen von VW-Mexiko brechen Lohndiktat

Nach 18 Tagen Streik beendeten die ArbeiterInnen des VW Werks in der Provinz Puebla in Mexiko ihren Ausstand. Sie erreichten eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 10,2%, zusätzlich 3,5% mehr die in Lebensmittelgutscheinen vergütet werden und 1%, die als Schulmaterial für die Kinder der Beschäftigten zur Verfügung gestellt werden. Diese zusätzlichen Bestandteile sind auch in dem Tarifvertrag enthalten, so dass dies insgesamt eine Erhöhung von 14,7% bedeutet.
Trotzdem ist es notwendig darauf hinzuweisen, dass diese Arbeitsniederlegung einige Merkmale aufwies, die es hervorzuheben gilt. Einer der Faktoren für den Arbeitskampf lag darin, dass das Unternehmen von Anfang an nur 5,5% Erhöhung anbot und eine sehr unnachgiebige Haltung einnahm. VW wollte nicht über eine wirkliche Erhöhung für die Beschäftigten verhandeln und brachte sie durch diese Haltung geradewegs dazu, auf ihrem Streikrecht zu beharren und es wahrzunehmen, geradezu wie in einer Chronik eines angekündigten Arbeitskampfes. Von dieser Form des Streiks profitierte das Unternehmen am meisten, es konnte aus seinen Beständen ungefähr 12000 Einheiten abbauen, die sich in seinen Lagern befanden.

Bei Ende der Arbeitsniederlegung kündigten die Führungsetagen des transnationalen deutschen Unternehmens, zusätzlich zu den 600 Technikern, die seit Anfang des Jahres entlassen wurden, umgehend neue Personalreduzierungen an. Weiterhin verkündeten sie einen weitgehenden Einstellungsstop in ihrem mexikanischen Werk. Die 5Mrd.$ Investitionen, die sie am 2. Mai dieses Jahres für die nächsten 5 Jahre zugesagt hatten, sollen eingefroren und die Produktion einiger Modelle in die Werke in Brasilien und China verlagert werden. Währenddessen wiederholen sie die Erpressung der Kapitalisten weltweit, wenn die Bedingungen nicht günstig genug sind, keine weiteren Investitionen mehr vorzunehmen.

Der andere Faktor ergab sich durch die Gewerkschaftsbewegung selbst, die sich in Mexiko in einer schwierigen Defensivposition befindet, obwohl das Problem der Privatisierung der verschiedenen Sektoren für die ArbeiterInnen im Energiebereich, in der Erdölindustrie, im öffentlichen Transportwesen (Metro), im Gesundheitswesen usw. fortbesteht. Es gab keine breite Solidaritätsbewegung und die Entlassungswelle geht weiter. 500.000 sind von Entlassung bedroht.

Die Regierung von Vicente Fox übte auch politischen Druck auf die Gewerkschaft aus, der auch die verschleierte Drohung einschloss, den Streik nicht anzuerkennen, obwohl die Erhöhung die als Ergebnis zustande kam, nur 3% Kosten für die Produktion betrug im Vergleich zu den 15% Produktionskosten insgesamt in der Mehrheit der Werke von VW weltweit.

In diesem Kontext sahen sich die Führer der Gewerkschaft der AutomobilarbeiterInnen bei VW vor die gewerkschaftliche Alternative in der Verteidigung ihrer Mitglieder gestellt: passiv das Unternehmerangebot zu akzeptieren oder den Streik zu führen, um die deutliche Lohnerhöhung zu erreichen, die das von Regierung und Kapitalisten aufgestellte Lohndiktat gebrochen hat.

Dennoch hat dieser Erfolg eine widersprüchliche Wirkung, auch wenn kein ArbeiterInnen entlassen wurde und die Gewerkschaft sich geschlossen gegen die Drohungen der Regierung behauptete. Das Erreichte hängt damit zusammen, dass sich die Gewerkschaftsbewegung in der Defensive befindet und es erlaubt dem Unternehmen die Rechnung dieses gewerkschaftlichen Erfolges einzufordern und mit Personalabbau zu drohen. Es erlaubt dem transnationalen Konzern das Rezept von Hoffa anzuwenden, das besagt, „ man solle gegen die einen einzigen Schlag austeilen, die man entlassen will und die belohnen die bleiben, um so deren Loyalität dem Unternehmen gegenüber zu erreichen."

Wir können damit schließen, dass dies ein überaus kraftloser Erfolg ist, in dem seine eigene Schwäche bereits verankert ist, wenn man nicht versucht, sich zusammenzuschließen mit der Gesamtheit der ArbeiterInnenbewegung in Mexiko und weltweit, gegen diese Politik der Raubgier der transnationalen kapitalistischen Konzerne. Die Automobilindustrie, wie der Kapitalismus insgesamt lässt eine Region einfach liegen, wenn sie ihm nicht mehr die Sicherheit der großen Vorteile bietet, um sich neue Gebiete mit größeren Gewinnmöglichkeiten zu suchen.

Die Automobilfabriken sind weltweit nur mit 70% ihrer Kapazität ausgelastet und in den Werken von VW hierzulande sind im laufenden Jahr bereits mehr als 2500 ArbeiterInnen entlassen worden.

Jose Ramirez V., Mitglied des Politischen Komitees der P.R.T. (Mexiko)
Übersetzung: Claudio A.

 * VW MEXICO ist in Puebla. Diese Stadt liegt 80 km östlich von Mexiko City. Im Werk Puebla arbeiten 16000 Beschäftigte davon sind 12300 gewerkschaftlich organisiert. In diesem Werk werden der New Beetle, der Beetle, der Jetta und Golf Cabrios produziert. – Anmerk. C. A.

Kapitalisten beunruhigt

Der Unternehmerdachverband CCE hat nach dem Abschluss die Regierung dafür kritisiert, dass sie nicht ausreichend dafür gesorgt hat, dass bei VW die Lohnleitlinie („kein Abschluss über der Inflationsrate", z.Z. real zwischen 6 und 7 Prozent) eingehalten wird. Wichtiger allerdings als die Höhe des Abschlusses ist bei dieser Forderung an die Regierung die Tatsache, dass nicht nur die politisch so zahme Betriebsgewerkschaft von VW beteiligt war, sondern auch der unabhängige Gewerkschaftsdachverband UNT. Der hat zuletzt zusammen mit Beschäftigten der mexikanische Telekom (Telmex) für mehrere Stunden das Arbeitsministerium blockiert. Der konservative Arbeitsminister hat aber bei VW nicht eingegriffen, wohl auch, weil er wusste, dass VW den Produktionsstop nicht ungern sah. In diesem Fall also hat sich die Regierung mehr auf die Seite des transnationalen Konzerns als auf die Seite der einheimischen Kapitalisten gestellt.

D. B.

  Berlin:
Kampf gegen Krieg, Entlassungen und Sozialabbau!
Mitgehangen, mitgefangen!
PDS & Krieg
Die Rezession bahnt sich an:
Die Weltwirtschaft nach dem 11. September
Berliner Krise:
Was ist zu tun?
Betrieb & Gewerkschaft
5000 mal 5000
Korporatismus gegossen in Tarifverträge
Österreich:
Gewerkschaft im Visier
Generalstreik gegen Krieg?
Schwerpunkt
Die Folgen des Terroranschlags
„Amerikas neuer Krieg“
Schock und Ausschreitungen nach dem Terroranschlag
Die Labour Party Pakistan zu den Anschlägen
Stoppt die Angriffe auf Arab-Americans
Antifa
Kurzer Sommer der Staatsantifa
Göteborg:
Gerichte verschärfen Urteile
International
Kampf der Barbaren
Der Taliban-Effekt
ArbeiterInnen von VW-Mexiko brechen Lohndiktat
Zur Problematik der Tobin-Steuer
RSB-Berlin
Plattform für Wahlintervention
Aus dem RSB
Herbstseminar des RSB
Antisemitismus und Antizionismus
Und...
14. Dezember 2001
Auf nach Brüssel!
Gewinne & Entlassungen
Der real existierende Kapitalismus
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
[AKTUELL] [REGIONAL] [ÜBER UNS] [ARCHIV] [THEMA] [LINKS] [KONTAKTE]