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Gemeinsam
gegen Faschismus und Rassismus kämpfen!
Der
RSB hat sich in der Vergangenheit an den antifaschistischen
Mobilisierungen im Rahmen seiner Möglichkeiten beteiligt. Mit den Thesen
“Gemeinsam gegen Faschismus und Rassismus kämpfen” legen wir unsere
Einschätzung der Gründe und der Verantwortung für das Aufkommen des
Faschismus, des “Antifaschismus” der Herrschenden, der Möglichkeiten
zum Aufbau einer breiten antifaschistischen Bewegung und der Rolle der
revolutionären MarxistInnen vor. 1.
Die faschistische Bewegung droht heute nicht die
Gewerkschaftsbewegung in der BRD oder die PDS in Ostdeutschland zu
zerschlagen. Sie hat aber eine Ausdehnung erreicht, die nicht nur für
MigrantInnen, Obdachlose und Linke bedrohlich ist. Am schrecklichsten wird
dies in den Stadtteilen und Dörfern deutlich, in die sich MigrantInnen de
facto nicht mehr reintrauen können und wo sie weder bei der Staatsmacht
noch in der breiten Bevölkerung Schutz vor den braunen Schlägerhorden
erwarten können. Es handelt sich hier zwar nicht um "national
befreite Zonen", weil die Staatsmacht weiterhin existiert. Auch
spiegelt sich der Straßenterror nicht in den Wahlergebnissen der
FaschistInnen wieder. Der Faschismus kann sich aber zu einer Bewegung
entwickeln und hat es in vielen Städten Ostdeutschlands bereits getan,
die unter Jugendlichen Masseneinfluss gewinnt. 2.
Die Entwicklung des Faschismus ergibt sich nicht direkt und
unmittelbar aus der hohen Arbeitslosigkeit, sonst könnten nicht in
Ostdeutschland die FaschistInnen besonders an den Berufsschulen stark
sein. Für seine Stärke gibt es nicht einen Grund, sondern eine ganze
Reihe von Gründen wie Zusammenbruch der alten Lebensverhältnisse,
Arbeitslosigkeit, Wohngettos, fehlende Zukunftsperspektive usw., kurz all
die Übel, die sich aus der Konkurrenzgesellschaft ergeben und die sich in
der Krise zuspitzen. Denn auch im Lohnarbeitsverhältnis Stehende oder
Auszubildende stehen unter dem Druck einer unklaren Zukunft. Die
verschiedenen Ursachen lassen sich also sehr wohl auf die “soziale
Frage” d.h. den Kapitalismus als gemeinsamen Nenner zurückführen. Während
die FaschistInnen “die Ausländer” zu Sündenböcken für die
verschlechterte soziale Lage machen, lenken Kapitaleigner und ihre
Regierung mit rassistischen Kampagnen bewusst von der Systemfrage ab. Ein
anderes Moment kommt hinzu. Sind einmal faschistische Kerne aufgebaut und
aktionsfähig, bekommen sie unter den bisherigen günstigen sozialen und
politischen Bedingungen schnell Zulauf. Wenn zwanzig Nazis in irgendeiner
Stadt ungehindert Jagd auf MigrantInnen machen können, sind es nach einem
Monat fünfzig. Das für den Aufbau der FaschistInnen günstige Klima war
unter der Kohlregierung vorhanden. 3.
Aber es sind nicht nur die allgemeinen Verhältnissen, die sich aus
dem Kapitalismus und der Krise ergeben, die so viele für den Rassismus
und das nach-unten-Treten anfällig machen. Es ist auch die konkrete
Politik der Herrschenden, angefangen von der verheerenden
"Asyldebatte” über das
Schengener Abkommen bis zum Flughafen verfahren, alles Maßnahmen,
die den Bürgern vermitteln: MigrantInnen sind was Schlechtes, vor denen
man sich schützen muss. Mit rassistischen Sprüchen und Slogans
versuchten sich CDU/CSU, FDP und SPD gegenseitig zu übertrumpfen. Vor der
letzten Bundestagswahl hetzte Oskar Lafontaine gegen den Zuzug von
Russlanddeutschen und Kanzlerkandidat Schröder forderte “kriminelle
Ausländer raus!”. CDU und CSU sammelten fünf Millionen Unterschriften
gegen den Doppelpass und sprachen von der “erfolgreichsten
Unterschriftenaktion in der Geschichte der Bundesrepublik”. Und vor der
NRW-Wahl forderte CDU-Rüttgers “Kinder statt Inder”. Die
kapitalistischen Parteien CDU, CSU, FDP, SPD und Grüne haben mit ihrer
Politik den Boden vorbereitet, auf dem der Faschismus wachsen und gedeihen
kann. 4.
Dabei ist nicht anderes als das kapitalistische Wirtschaftssystem
und speziell die imperialistische Beherrschung der unterentwickelt
gehaltenen Regionen dieser Erde daran schuld, dass Millionen von Menschen
versuchen, dem Elend zu entfliehen. Nicht zuletzt die Tatsache, dass
gerade die offenen Diktaturen ihre Waffen im wesentlichen von den Geschäftemachern
in den imperialistischen Ländern beziehen, belegt, wie kriminell die
Abschottungspolitik der Festung Europa ist. Kurz: Das Kapital der
imperialistischen Staaten beutet u. a. über den ungleichen Tausch die
sogenannte "dritte Welt" aus, schickt zur Absicherung dieser
Verhältnisse Waffen, Militärberater und im Zweifelsfall auch eigene
Soldaten und wehrt sich mit allen nur erdenklichen Mitteln gegen den
Zustrom der daraus resultierenden Flüchtlingsströme, ganz gleich, ob
diese Menschen vor Hunger, Krieg, Elend oder politischer Verfolgung
fliehen. 5.
Schon beim Zusammenbruch der DDR präsentierten FaschistInnen und
Kohlregierung gleiche programmatische Inhalte. Gegen “Wir sind das
Volk” stellten sie die Losung “Wir sind ein Volk” auf. Die Schließung
der Grenzen in der BRD und der Ausbau der “Festung Europa” gegen Flüchtlinge,
schafften vor dem Hintergrund steigender Massenarbeitslosigkeit,
Lohnsenkung und sozialem Kahlschlag, ein Klima der Ausländerhetze bis hin
zu Pogromen. Die fortlaufende Verschärfung aller möglichen Gesetze waren
nur der juristische Ausdruck dieser Entwicklung. An der allgemeinen
Rechtsentwicklung der BRD in den letzten zehn Jahren beteiligten sich alle
etablierten Parteien von der CSU bis zu den Grünen. Die Herrschenden
erreichten, dass nicht sie, sondern Randgruppen der Gesellschaft für die
Krise des Kapitalismus und die sozialen Folgen der Wiedervereinigung in
Ost und West verantwortlich gemacht wurden. Der letzte Golfkrieg und die
Balkankriege lösten große Verunsicherung breiter Teile der
sozialistischen Linken aus und bewirkten ein Abrücken nach rechts. In
dieser Entwicklung hatten die FaschistInnen mit ihren Anschlägen eine
wirkliche gesellschaftliche Funktion, indem sie die reaktionäre
Speerspitze für die allgemeine Verschiebung des politischen Spektrums
nach rechts bildeten. 6.
Für die Kapitaleigner ist aber zur Zeit nicht die offene
Konfrontation zur Durchsetzung des Neoliberalismus angesagt, sondern die
Politik des Konsenses über das “Bündnis für Arbeit und Wettbewerbsfähigkeit”.
Auch der völkische Nationalismus ist - zumindest heute, im Zeitalter der
sogenannten Globalisierung - für das Kapital kontraproduktiv. Nicht die
Abweisung aller MigrantInnen an den Grenzen im Rahmen des Abbaus des
Sozialstaats wird verlangt, sondern ein Einwanderungsgesetz zum Import und
zur Integration bestimmter qualifizierter Arbeitskräfte, um sie dafür zu
Missbrauchen, die Löhne zu senken. Für das Kapital und seine Regierung
haben die FaschistInnen zur Zeit keine (reaktionäre) gesellschaftliche
Funktion mehr. Wenn eine allgemeine Konfrontations- und pauschale
Ausgrenzungspolitik heute nicht benötigt wird, dann sind auch
faschistische Aktivitäten nur in bestimmten Grenzen den Herrschenden
willkommen. In keinem Fall darf das "Ansehen" Deutschlands
- des Lands der "aufstrebenden global player” (Der Spiegel)
- im Ausland "geschmälert werden". An dieser Stelle entdecken
Kapital, Regierung und bürgerliche Medien ihren “Antifaschismus”.
Dabei handelt es sich nicht mehr um die gebetsmühlenartigen Erklärungen,
die in der Vergangenheit immer dann abgegeben wurden, wenn die
faschistischen Pogrome zuviel Aufsehen erregt hatten. Das Kapital sieht in
Ansätzen wirklich den “Wirtschaftsstandort” gefährdet und will
entsprechend reagieren. 7.
Da der faschistische Mob aber nicht freiwillig die Straßen räumt,
könnte es zum Zusammenstoß mit dem kapitalistischen Staatsapparat
kommen. Die FaschistInnen wären einem Zusammenstoß mit dem Staatsapparat
nicht gewachsen. Auch mit den Methoden bürgerlicher Repression könnten
die faschistische Organisierung durchaus eingedämmt werden. Seine Mitläufer
könnten weniger werden, aber seine Kader würden bleiben. Durch eine
Isolierung der FaschistInnen wird sich die Möglichkeit des Entstehens
einer rechtskonservativen, nationalistischen Partei nicht verringern,
sondern erhöhen. Geht die außerparlamentarische Kraft der FaschistInnen
zurück, so wird sich das hinter ihr stehende Potenzial einen
parlamentarischen Ausdruck suchen. Ebenso hat das Bürgertum ein
Interesse, rechte außerparlamentarische Strömungen in den
Parlamentarismus zu integrieren und darüber zu pazifizieren. 8.
Viele fordern ein Verbot faschistischer Organisationen. Ein Verbot
z.B. der NPD würde die FaschistInnen sicherlich behindern. Aber es wird
die sozialen Ursachen für die Zunahme des Faschismus nicht beseitigen,
wie auch der Faschismus in der Weimarer Republik durch das vorübergehende
Verbot seiner Schlägergarde SA nicht beseitigt wurde. Der Staatsapparat
ist heute durch manche Fäden mit den FaschistInnen verbunden, wie auch
viele Ordnungshüter deren Ruf nach “Recht und Ordnung” teilen. Bei
einer offenen gesellschaftlichen Krise würden sich sofort die
Verbindungen zwischen den staatlichen Repressionsorganen und den
FaschistInnen vertausendfachen. Wir sollten auch nicht vergessen, dass
sich die Repression des Staatsapparats dann gegen die sozialistische und
radikale Linke richten wird, wie bisher ja auch der Staatsapparat
besonders die AntifaschistInnen und nicht etwa die FaschistInnen verfolgt
hat. Im Kampf gegen den Faschismus setzen wir nicht auf den
kapitalistischen Staat, sondern auf die Arbeiterklasse. Sie allein hat das
Potenzial dem Faschismus entgegenzutreten und für den einzigen Ausweg,
den Sturz des Kapitalismus zu kämpfen. 9.
Wenn Regierung,
bürgerliche Parteien und das Kapital heute zur Bekämpfung des
"Rechtsextremismus" aufrufen, verfolgen sie ganz eigene Ziele,
die nur im Ausnahmefall auch etwas mit humanitären Regungen zu tun haben:
Die Regierung will neben dem "günstigen Investitionsklima" und
dem internationalen Ansehen Deutschlands vor allem das Gewaltmonopol des
Staates absichern. Ähnlich schon wie bei der Ausschaltung der
Wehrsportgruppe Hoffmann, ist es dem bürgerlichen Staat nicht grundsätzlich
egal, wie weit die Gewalt geht: Terroranschläge wie in Düsseldorf passen
weder in das "Investitionsklima" noch in die allgemeine
politische Landschaft der parlamentarischen Demokratur. Der faschistische
Mob ist zwar im Prinzip willkommen, weil er sehr wirksam hilft, die
Unzufriedenheit auf die MigrantInnen zu lenken, aber das Ausmaß der
Gewalt muss unter Kontrolle bleiben. Regierung und bürgerliche Parteien
wollen sich als handlungsfähig erweisen. Dazu dient auch der Ruf nach
einem Verbot der NPD. Ein Nebeneffekt eines Verbots wäre sicherlich,
dass, die bürgerlichen Parteien - speziell die CSU -
mindestens einen Teil dieser Wählerstimmen einkassieren können.
Scheinbar ganz beiläufig wird mit der jetzt angestrebten Handlungsfähigkeit
des Staates auch das Demonstrationsrecht erneut in Frage gestellt, die
Videoüberwachung ausgebaut usw. Speziell die Einschränkung des
Demonstrationsrechts richtet sich aber prinzipiell hauptsächlich gegen
die Linke. Dies ist keine Schutzmaßnahme für die ausländischen MitbürgerInnen.
Diese werden nämlich in den seltensten Fällen aus Demonstrationen heraus
angegriffen, sondern von Schlägertrupps, die durch die Städte ziehen und
Asylbewerberheime angreifen. 10.
Die antifaschistische Bewegung hat in der Vergangenheit meist auf
die Anschläge und Aufmärsche der FaschistInnen reagiert, aber kaum
agiert. Dabei wurden zeitweise größere Schichten der Bevölkerung
mobilisiert, wenn auch wie bei den Lichterketten (1992/93) auf einem sehr
niedrigen Niveau. In den letzten Jahren sind viele antifaschistische
Gruppen zerfallen. Erst mit den Aufmärschen der NPD sind auch die
Gegenmobilisierungen wieder gewachsen. Neue antifaschistische Gruppen von
Jugendlichen haben sich gebildet. Die Aufmärsche der FaschistInnen werden
vorerst weitergehen. Aber sie finden in einem für die FaschistInnen
zunehmend ungünstigeren Klima statt, das Gegenmobilisierungen begünstigt. 11.
Die Gewerkschaftsführung spielt eine ganz traurige Rolle in der
antifaschistischen Bewegung - nämlich keine. Es sind die Kapitaleigner,
die eine Kampagne gegen Rassismus und Faschismus in den Betrieben
organisieren – nicht die Gewerkschaftsbürokratie. Während bewusste
Mitglieder, Vertrauensleute und Betriebsräte tagtäglich in den Betrieben
rassistischen Sprüchen entgegentreten, kamen ausländerfeindliche Töne
vom IG Metallvorsitzenden Zwickel selbst. Vor drei Jahren schlug Zwickel
“feste Ausländerquoten auf dem Arbeitsmarkt vor”. Es gehe darum
“den deutschen Arbeitsmarkt zu entlasten und den sozialen Sprengstoff zu
entschärfen". Indem die Gewerkschaften weder die Löhne, noch die
Arbeitsplätze und die Lebensbedingungen der Arbeiterklasse verteidigen,
tragen sie zu Perspektivlosigkeit und Demoralisierung der Lohnabhängigen
bei, an der die faschistische Propaganda ansetzen kann. Im Gegenteil: Die
Gewerkschaftsbürokratie und viele sozialpartnerschaftlichen Betriebsräte
fördern mit ihrer reaktionären Standortideologie national-, regional-
und lokalborniertes Bewusstsein innerhalb der Arbeiterklasse. Nur indem
die klassenkämpferischen GewerkschafterInnen innerhalb der Gewerkschaften
die gemeinsamen Interessen der Arbeiterklasse aller fünf Kontinente
betonen und internationale Verbindungen aufbauen, kann hier eine Änderung
erfolgen. 12.
Die sozialistische Linke ist kaum in der Antifabewegung aktiv. An
ihren Mobilisierungen nimmt sie wenig Anteil. Die Autonomen stellen die Stärkste
der schwachen organisierten linken Kräfte. Insoweit sie sich allein auf
militante Aktionen verlassen und breite Bündnisse und Mobilisierungen
gegen die FaschistInnen ablehnen, verhalten sie sich sektiererisch. In der
antifaschistischen Bewegung tritt der RSB für Mobilisierungen einschließlich
gemäßigter Kreise ein. In der heutigen Situation, in der Unternehmerverbände
und bürgerliche Parteien ihren “Antifaschismus” entdecken, dürfen
wir den Antifaschismus nicht den Bürgerlichen überlassen. In den
Aktionseinheiten müssen aber wir unsere politische Selbständigkeit
bewahren. Die überall entstehenden politische Aufrufe “gegen Gewalt”
oder “für Demokratie in sozialer Gerechtigkeit” lehnen wir ab. Sind
wir heute auch viel zu schwach eine Arbeitereinheitsfront gegen die
FaschistInnen zu schaffen, so müssen vor allem die MigrantInnen,
Gewerkschaften und Betriebsräte einbezogen werden, um gemeinsam den
faschistischen Aufmärschen auf der Straße entgegentreten. In den
Mobilisierungen zeigen wir die Verantwortung der Herrschenden für die Stärke
des Faschismus auf und erklären ihre aktuelle “Kehrtwende”. Wir
beteiligen uns an weitergehenden Aktionen, um den FaschistInnen direkt
entgegenzutreten. Dies schließt die Mitarbeit in entsprechenden
antifaschistischen Bündnisstrukturen ein. Wir bauen antifaschistische
Jugendgruppen auf und unterstützen bestehende. Wir tragen unsere
politische Kampagne gegen den Faschismus in die Betriebe und die
Gewerkschaften hinein. Vor allem aber stellen wir gegen die Abwälzung der
kapitalistischen Krise auf die Arbeiterklasse unser Programm und die
Notwendigkeit einer sozialistischen ArbeiterInnenpartei zur Diskussion.
Denn “ein Antifaschist, der nur ein Antifaschist ist, ist kein
Antifaschist!” (Erich Fried). Wahlrecht
für alle! Schluss
mit der Ghettoisierung! Nein zur Festung Europa! Weg
mit dem Schengener Abkommen! Uneingeschränktes
Bleiberecht, Aufenthaltserlaubnis- und Arbeitserlaubnis für alle Flüchtlinge! Den
Doppelpass für alle, die ihn wollen, und zwar bedingungslos! Politisches
Komitee des RSB 12./13. August 2000 |