| Erfolgreicher
Kampf gegen Lohnleitlinien |
Erfolgreicher Kampf gegen Lohnleitlinien Rund 28 Prozent mehr Lohn mehr haben sich die PilotInnen der Vereinigung Cockpit für dieses Jahr erstreikt. Ein Schock für die UnternehmerInnenverbände. Ein Schock für die Bundesregierung. Vor allem aber ein Schock für die Gewerkschaftsbürokratie. Der Arbeitskampf der
PilotInnen wirft ein grelles Licht auf die Folgen der Einbindung der
Gewerkschaften in das "Bündnis für Arbeit": Glatter Streikbruch Während des Streiks handelte die Gewerkschaft als Speerspitze des Lufthansakapitals. So erklärte ver.di-Vorstandsmitglied Kahmann: "Der Lufthansa-Vorstand muss wissen, dass Zugeständnisse an die Piloten nicht ohne Folgen für die Beschäftigten am Boden und in der Kabine bleiben können". Auch in den Landesbezirken wurde gegen den Streik gehetzt. Der ver.di-Verantwortliche in Hamburg, Rose: "Wir lassen nicht zu, dass sich Besserverdiener zu Lasten der unteren Einkommensgruppen bereichern. Wenn jetzt eine elitäre Gruppe wie die Piloten den Sanierungsbeitrag wieder zurückfordert, gefährdet dies die Zukunft der Arbeitsplätze". Und ein Hamburger ver.di-Sekretär, Stretz, sprach vom "Luxusstreik". Würden die Äußerungen aus der Gewerkschaftsbürokratie zum Cockpitstreik gesammelt, ergäben sie hervorragendes Material für ein Gelbbuch. Darin müßten an erster Stelle die von ver.di organisierten Proteste am Frankfurter Flughafen gegen die PilotInnen vermerkt werden. Das war glatter Streikbruch! Angstpsychose der Bürokratie Besagter Kahmann wußte auch: "Ver.di sieht keinen Anlass für eine Nachschlagsdiskussion‚ zum Vergütungstarifvertrag vom März dieses Jahres für Boden und Kabine". Eine Nachschlagdebatte ist der Kern der Angstpsychose in den Gewerkschafts-zentralen. Viele Mitglieder sind unzufrieden mit den mickrigen Lohnforderungen der letzten Jahre und Jahrzehnte. Bei Metall ist zum 1. Mai die zweite Stufe des Tarifabschlusses 2000 mit ganzen 2,1 Prozent in Kraft getreten. Da können die 28 Prozent nicht nur die Kritik in den Gewerkschaften an den berühmtberüchtigten "Vorstandsempfehlungen" fördern, sondern auch die Bereitschaft zum eigenständigen Handeln. Der Vorsitzende der IG Metall, Zwickel, sieht dies als Gefahr, "dass ein Metaller am Fließband fragt, warum er mit weniger zufrieden sein soll". Erfolgreiches Bündnis Während des Streiks spielte ver.di nicht nur den Büttel für die Luft-hansakapitalistInnen, sondern auch für die Regierung. Schröder & Co. brauchten sich nicht gegen die PilotInnen aus dem Fenster zu lehnen. Dieses Geschäft konnten sie ruhig ihren SPD-ParteifreundInnen in den Gewerkschafts-vorständen überlassen. Für Schröder und Kapital hat sich das "Bündnis für Arbeit und Wettbewerbsfähigkeit" glänzend bewährt. Zwar konnte ver.di den Pilot-Abschluß nicht verhindern, weil Cockpit eigenständig ist und außerhalb des DGB steht. Aber die Gewerkschaftsbürokratie bewies im offenen Klassenkampf, dass ihr das Bündnis mit der bürgerlichen Regierung und der kapitalistischen Klasse näher ist als die Interessen der Lohn-abhängigen. Die privilegierte Bürokratie ist eine bürgerliche Agentur in den Reihen der ArbeiterInnenklasse wie Trotzki zurecht betonte. Enormes Gewicht Der Lackmustest des Cockpitstreiks zeigt auch das enorme Gewicht der Büro-kratie innerhalb der Gewerkschaften und der ArbeiterInnenbewegung. Sicherlich sind viele Schichten der Lohnabhängigen noch weitaus unzufriedener als die relativ gutbezahlten PilotInnen. Aber ihre Wut und Empörung verpuffen wie heißer Dampf, weil sie innerhalb der Gewerk-schaften keinen organisierten Ausdruck finden. Die Bürokratie, die alles tut, um innerhalb ihrer eigenen Reihen höhere Lohnforderung abzuwürgen, wird von ihrer desorganisierten Basis nur verein-zelt herausgefordert. Der PilotInnenstreik verdeutlicht erneut die Notwendigkeit einer klassenkämpferischen Tendenz in den Gewerkschaften, die den Bruch mit dem "Bündnis für Arbeit" organisiert. PS 16.06.01
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