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Gysi holt das Kapital nach Berlin...
Nachdem sich SPD und PDS noch vor
Weihnachten über die wesentlichen sozialen Grausamkeiten des neuen
Berliner Koalitionsvertrages einig geworden waren (s. Avanti
Januar 2002), wurde Mitte Januar der Vertrag abgeschlossen und der
neue Senat gewählt.
Über die Posten
wurde zwischen beiden Parteien deutlich länger diskutiert als
z. B. über die zukünftige Sparpolitik auf Kosten der
Beschäftigten im Öffentlichen Dienst. Schließlich bekam die PDS
drei Ressorts und ein Mitspracherecht bei der Justizsenatorin, die
SPD fünf Posten plus den Regierenden Bürgermeister.
Die Prioritäten der PDS
Die PDS besetzt die
Ressorts Wirtschaft/Arbeit/Frauen, Wissenschaft/Forschung/Kultur und
Gesundheit/Soziales/Verbraucherschutz. Während Gregor Gysi als
Wirtschaftssenator sofort feststand und als seine Aufgabe formuliert
Kapital nach Berlin zu holen, suchte die PDS tagelang nach einer
Sozialsenatorin – ein Sinnbild für die neue Prioritätensetzung
der PDS. 83% der Delegierten beim Landesparteitag der PDS stimmten
für den Koalitionsvertrag. Diskutiert wurde vor allem die
Präambel, in der die "westliche Wertegemeinschaft" den
"Unrechtstaten der SED" entgegengestellt wird; zur
zukünftigen Politik der Koalition gab es wenig Widerspruch.
Die PDS-Vorsitzende
Gabi Zimmer erklärte, weshalb die Sparorgie zu Lasten der
Arbeitenden und sozial Ausgegrenzten sozialistisch sei: die
Koalition abzulehnen hieß ohne Not die Möglichkeit ausschlagen,
soziale Widersprüche "zu mildern".
Was auf Berlin zukommt
Wie diese
"Milderung" aussieht, kann sowohl dem Koalitionsvertrag
als auch den Äußerungen von Senatoren entnommen werden:
voraussichtlich sollen noch mehr als die schon längst
angekündigten 15 000 Stellen im Öffentlichen Dienst
gestrichen werden. Um von der Gewerkschaft ver.di eine
Zustimmung zu deutlichen Lohnkürzungen und Arbeitszeitverkürzungen
ohne Lohnausgleich zu erhalten, werden die Beschäftigten mit der
Drohung betriebsbedingter Kündigungen erpresst. Auch bei den
Bedürftigsten soll kräftig gespart werden: hunderte Mio. Euro bei
Empfängern und Empfängerinnen von Sozialhilfe. Wer Antrag auf
Sozialhilfe stellt und "arbeitsfähig" ist, soll künftig
zunächst ein Jobangebot bekommen. Damit wird der Niedriglohnsektor
ausgebaut – denn um keine anderen Jobs geht es hier.
Wer organisiert den Protest?
Die Berliner
Koalition droht zu bestätigen, wie oft das vermeintlich kleinere
oder "mildere" Übel das größere vorbereitet. Der
Sozialabbau unter "linker" Flagge ist eine Steilvorlage
für die klassische und die radikale Rechte. Deshalb ist es um so
notwendiger, dass dieser Politik eine wirkliche Alternative
entgegengesetzt wird, die konsequent für die Interessen der
Betroffenen eintritt.
Ver.di
hat Proteststreiks für den Fall von Kita-Schließungen
angekündigt. In Wirklichkeit müssten aber jetzt schon
Vorbereitungen für einen Streik des gesamten Öffentlichen Dienstes
getroffen werden. Den Kolleginnen und Kollegen ist klar, dass etwas
unternommen werden muss. Doch die Gewerkschaftsführung tut nichts,
da sie keine politische Alternative zu "rot-rot" hat.
Richard Lux
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