Die Berliner PDS beschert:
Sparpaket rot eingepackt
Die Verhandlungen für eine
Berliner Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP sind gescheitert.
Jetzt darf die PDS gemeinsam mit der SPD regieren und vielleicht
sogar den sparwütigen Finanzsenator stellen.
Egal ob die PDS für die SPD
erste Wahl war oder nicht, schnell wurde deutlich, dass sich die
Führungsriegen beider Berliner Landesverbände prächtig verstehen
und innerhalb kürzester Zeit einig geworden sind.
Eine spar-erfahrene SPD...
Die Berliner SPD hat bei den
Wahlen davon profitiert, dass die desolate Haushaltslage vor allem
der CDU angelastet wurde, die personell am tiefsten im Spendensumpf
steckte. Dabei trägt die SPD, die als Teil einer großen Koalition
seit Jahren in Berlin regiert, volle Verantwortung für die
Situation. Ebenso hat sie die Berliner Sparpolitik auf Kosten der
Arbeitenden und sozial Schwachen zu verantworten, die wohl noch
stärker als sonst in Deutschland zur Kasse gebeten wurden: durch
den Wegfall der Berlin-Zulage, durch Schließung von Kindergärten,
Krankenhäusern, ständige Verteuerung des öffentlichen
Nahverkehrs... Jetzt soll das Milliardenloch im Berliner Haushalt
durch einen noch drastischeren Sparkurs eingedämmt werden.
...und eine spar-willige PDS
Die PDS hat nichts dagegen.
Sie ist froh, aus der Schmuddelecke herauszukommen und endlich von
bürgerlicher Seite die Anerkennung zu finden, die ihr schon lange
zusteht. Von Anfang an haben Spitzenkandidat Gregor Gysi und der
Fraktionsvorsitzende Harald Wolf klar gemacht, dass sie zum
Mitregieren bereit sind. Um jeden Preis. Die von der SPD
angekündigte Vernichtung von 15 000 Stellen im öffentlichen
Dienst hat die PDS-Spitze nie in Frage gestellt. Im Gegenteil. Wolf
erklärte in einem Interview: „Wir haben Interesse, über die
geplanten 15 000 Stellen hinaus weitere zu sparen. (...)
Denkbar sind auch Arbeitszeitverkürzungen mit gestaffeltem
Lohnverzicht." Der PDS-Landesvorsitzende Stefan Liebig sprach
von „harten Maßnahmen", die auch den Wählern und
Wählerinnen der PDS „weh tun" würden.
Koalitionsvereinbarung auf Kosten der
Bevölkerung
Am 20. 12. war die Einigung
perfekt. Zentrale Punkte: Einsparungen von 2,1 Mrd. DM im
öffentlichen Dienst bis 2006 (die Streichung von 15 000
Stellen macht erst die Hälfte dieser Summe aus, so dass
Lohnkürzungen und weitere Arbeitsplatzvernichtung vorprogrammiert
sind), Schließung von 13 Schwimmbädern, Verkauf bzw.
Privatisierung von landeseigenem Eigentum, Weiterführung des
Flughafenausbaus in Schönefeld, gegen den sich die PDS immer
gestellt hatte. Als Trostpflaster für die PDS-Basis wird es keine
kostspielige Olympiabewerbung und keine weiteren Kürzungen im
Bildungs- und Kulturbereich geben, der aber heute schon völlig
marode ist.
Gespart werden soll also
weiterhin auf dem Rücken der Arbeitenden und Mittellosen. Keine
einzige Einsparung ist vorgesehen auf Kosten der Reichen, der
Unternehmen und Banken, die sich an den öffentlichen Kassen eine
goldene Nase verdienen. So zahlt Berlin für seine 78 Mrd. DM
Schulden allein an Zinsen 11 Mio. DM täglich.
Die PDS offen prokapitalistisch
Das ist auch nicht
verwunderlich, „entdeckt" doch die PDS immer offener ihre
Vorliebe für die kapitalistische Marktwirtschaft. Wenn Gysi von
bürgerlichen Ideologen gefragt wird, ob denn eine PDS-Beteiligung
nicht Investoren abschrecken könnte, so läuft er zu Höchstform
auf. Große Konzerne wie Siemens würden doch auch in China
investieren, wo man doch wisse, welche Partei an der Macht sei. „Von
China lernen heißt siegen lernen", wird Gysi sich gesagt haben
und wahrscheinlich plant er schon die Einrichtung von tariffreien
„wirtschaftlichen Freihandelszonen" in Berlin, um die
Ausbeutungsbedingungen für das internationale Kapital zu
verbessern. „Demokratischer Sozialismus" à la PDS und
Kapitalismus ist alles andere als ein Widerspruch für Gysi: Die
Unternehmen wollen Gewinn machen, die PDS wolle Arbeitsplätze –
das passe doch hervorragend zusammen.
Gegen diesen Senat hilft nur Kampf
Die Gewerkschaften, allen
voran ver.di, haben schon Proteste gegen die Sparmaßnahmen
angekündigt. Wenn es nach der Führung geht, werden die aber
wirkungslos verpuffen. Denn die Gewerkschaftsbürokratie ist
politisch SPD und PDS eng verbunden. Sie wird sich lieber „Sachzwängen"
beugen und faule Kompromisse schließen wollen, als diesen Senat in
Schwierigkeiten zu bringen. Genau in dieser Argumentation des
angeblich „kleinsten Übels" liegt die Gefahr für die
Betroffenen im öffentlichen Dienst und darüber hinaus. Denn nur
wenn es einen entschiedenen Kampf gegen die Politik dieses Senats,
gegen diese Politik im Interesse der Banken und Konzerne gibt, nur
wenn sich das Kräfteverhältnis zugunsten der Arbeiterinnen und
Arbeiter wendet, werden sich auch wirkliche Alternativen auftun,
Lösungen auf Kosten der Profite und im Dienst der Allgemeinheit.
Richard Lux
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