Frauen und Kinder werden bei den „chirurgischen"
Bombenschlägen in keiner Weise verschont. Frauen sind aber auch Opfer
systematischer Vergewaltigungen. Um die Männer des Kriegsgegners zu demütigen,
werden „seine" Frauen vergewaltigt. Eine besondere Perversion männlichen
Denkens!
Frauen kämpfen auch in Kriegen. Sie spielen eine Rolle in
den Guerilla- und Partisanenverbänden; heute in einigen Armeen als Teil der
kämpfenden Truppe. In der Roten Armee der Sowjetunion (SU) waren Frauen ein
wichtiger Teil in Verwaltungsstellen und Sanitätswesen, als Funkerinnen oder
Ärztinnen und in der kämpfenden Truppe. Beispielhaftes Material bietet der
Katalog zur Ausstellung, die vom November 2002 bis Februar 2003 im Museum
Berlin-Karlshorst zu sehen war - und leider wohl nur dort. Sie dokumentiert
eindrucksvoll das Leben der Soldatinnen.
Warum in den Krieg?
In Revolutionszeit und Bürgerkrieg gab es Frauen wie
Larissa Reissner, die mit Begeisterung kämpften. Offiziell gab es in der
Sowjetunion zu keiner Zeit Wehrpflicht für Frauen. In Briefen wird deutlich,
dass insbesondere junge Frauen sich aus einem patriotischen Impuls fast
aufdrängten. Der Angriff der faschistischen deutschen Armee war eine Bedrohung
des Vaterlands. Das galt es zu verteidigen. Auch Komsomolzinnen waren
gefordert. Nach dem Wehrgesetz von 1939 sollten Frauen mit Spezialausbildung
zu unterstützenden und fachbezogenen Diensten herangezogen werden. Viele
Frauen unterzogen sich freiwillig einer militärischen Grundausbildung. Der
größte Teil blieb an der „Heimatfront" und arbeitete in Betrieben. Junge
Mädchen, die gemeinsam mit den Männern dem Angreifer entgegentreten wollten,
kamen dabei in Konflikt mit dem Bild der Frau, dass in den 30er Jahren in der
SU kultiviert wurde. Häuslichkeit, Fürsorge, Duldsamkeit, also eher
Passivität, wurde verlangt und Disziplin im Arbeitsprozess. Und nun mit
Männern in gemischten Einheiten den Dienst mit der Waffe z.B. als
Scharfschützin – in diesem Bereich waren die Soldatinnen besonders
erfolgreich. Reine Fraueneinheiten gab es nur bei der Luftwaffe.
Frauen als Feindinnen
Wie reagierte der Feind? Auch in der deutschen Wehrmacht
gab es Frauen, allerdings nur etwa als Fernmelderinnen und im Sanitätsdienst.
Die Frauen in der Roten Armee, mit deren Kampfkraft die Deutschen konfrontiert
wurden, waren in ihren Augen „entartete Flintenweiber". Ihnen wurde der Status
als Soldatinnen nicht zugestanden. Hätten sie sich selbst zu Zivilistinnen
degradiert, wären sie als Zwangsarbeiterinnen eingesetzt worden. Aus dem KZ
Ravensbrück wird über den Empfang einer Gruppe von Rotarmistinnen berichtet,
bei dem sie als „russische Schweine" beschimpft wurden. So gab es bei einer
Zahl von 800.000 bis 1 Mio. Frauen in der Roten Armee keine Frau in einem
Kriegsgefangenenlager. Entweder sie wurden gleich liquidiert, weil die
„deutschen Volksgenossen" meinten, dass „solche Typen" nicht am Leben bleiben
dürften, oder litten und starben im KZ oder bei der Zwangsarbeit.
Frauen als Überlebende
Nach dem Großen Vaterländischen Krieg wurden die Frauen der
Roten Armee auf das Schnellste demobilisiert. In den frühen Würdigungen der
Armee sind Frauen, „wie es sich gehört", unsichtbar. Es ist für sie besonders
schwer, sich in das alltägliche Leben zu integrieren. Nach der alten Regel
werden sie von vielen in die Nähe der Huren gerückt, „weil mensch ja weiß, wie
es im Kriege zugeht". Zum anderen traute mensch diesen aktiven, kämpferischen
Frauen nicht zu, dass sie die Rolle der Frau und Mutter, wie sie der
entwickelte Stalinismus vorschrieb, erfüllen könnte. So verschwiegen viele
ihre Rolle im Krieg, feierten eventuell am 8. März mal untereinander und
gewannen erst eine Stimme in den 80er und 90er Jahren. Das erste Buch, in dem
dieser Teil der Geschichte literarisch bearbeitet wurde, ist von Swetlana
Alexejewitsch Der Krieg hat kein weibliches Gesicht (Minsk 1984/Hamburg
1989). In ihrem Beitrag zu dem Ausstellungskatalog beschreibt die Autorin, wie
der Zensor darauf bedacht war, den besonderen Ruhm der heldenhaften
Kämpferinnen zu kultivieren. Im öffentlichen Bewusstsein sollten sie, wenn
überhaupt, als Heldinnen erscheinen, aber ihre besonderen Probleme, ihre
Leiden verschwiegen werden.
Was entnehmen wir der Geschichte? Jede Frau muss das Recht
haben zu kämpfen, insbesondere wenn es um ihre Befreiung geht – auch mit der
Waffe. Aber es muss auch ihr Recht sein, sich gegen die Forderungen des
Krieges zu wehren. Nicht erlaubt ist das, was Soldatinnen in die US-Armee
bewegt: Durch die Hölle des Krieges gehen zu müssen, um eine Ausbildung oder
die Staatsbürgerschaft zu gewinnen.