RSB / IV. Internationale      zurück zur Startseite

AKTUELL REGIONAL ÜBER UNS ARCHIV THEMA LINKS KONTAKTE
  AVANTI Mai 2003  download am Ende der Seite  
  Agenda 2010: Protest, Widerstand, Streik!

RSB

 

 

Innen
Mascha - Nina - Katjuscha
Frauen in der Roten Armee

Was geschieht mit Frauen im Krieg? Wer sich auch nur etwas dafür interessiert, weiß, dass Frauen und Kinder in „modernen" Kriegen die zahlreichsten Opfer sind.

Frauen und Kinder werden bei den „chirurgischen" Bombenschlägen in keiner Weise verschont. Frauen sind aber auch Opfer systematischer Vergewaltigungen. Um die Männer des Kriegsgegners zu demütigen, werden „seine" Frauen vergewaltigt. Eine besondere Perversion männlichen Denkens!

Frauen als Kämpferinnen

Frauen kämpfen auch in Kriegen. Sie spielen eine Rolle in den Guerilla- und Partisanenverbänden; heute in einigen Armeen als Teil der kämpfenden Truppe. In der Roten Armee der Sowjetunion (SU) waren Frauen ein wichtiger Teil in Verwaltungsstellen und Sanitätswesen, als Funkerinnen oder Ärztinnen und in der kämpfenden Truppe. Beispielhaftes Material bietet der Katalog zur Ausstellung, die vom November 2002 bis Februar 2003 im Museum Berlin-Karlshorst zu sehen war - und leider wohl nur dort. Sie dokumentiert eindrucksvoll das Leben der Soldatinnen.

Warum in den Krieg?

In Revolutionszeit und Bürgerkrieg gab es Frauen wie Larissa Reissner, die mit Begeisterung kämpften. Offiziell gab es in der Sowjetunion zu keiner Zeit Wehrpflicht für Frauen. In Briefen wird deutlich, dass insbesondere junge Frauen sich aus einem patriotischen Impuls fast aufdrängten. Der Angriff der faschistischen deutschen Armee war eine Bedrohung des Vaterlands. Das galt es zu verteidigen. Auch Komsomolzinnen waren gefordert. Nach dem Wehrgesetz von 1939 sollten Frauen mit Spezialausbildung zu unterstützenden und fachbezogenen Diensten herangezogen werden. Viele Frauen unterzogen sich freiwillig einer militärischen Grundausbildung. Der größte Teil blieb an der „Heimatfront" und arbeitete in Betrieben. Junge Mädchen, die gemeinsam mit den Männern dem Angreifer entgegentreten wollten, kamen dabei in Konflikt mit dem Bild der Frau, dass in den 30er Jahren in der SU kultiviert wurde. Häuslichkeit, Fürsorge, Duldsamkeit, also eher Passivität, wurde verlangt und Disziplin im Arbeitsprozess. Und nun mit Männern in gemischten Einheiten den Dienst mit der Waffe z.B. als Scharfschützin – in diesem Bereich waren die Soldatinnen besonders erfolgreich. Reine Fraueneinheiten gab es nur bei der Luftwaffe.

Frauen als Feindinnen

Wie reagierte der Feind? Auch in der deutschen Wehrmacht gab es Frauen, allerdings nur etwa als Fernmelderinnen und im Sanitätsdienst. Die Frauen in der Roten Armee, mit deren Kampfkraft die Deutschen konfrontiert wurden, waren in ihren Augen „entartete Flintenweiber". Ihnen wurde der Status als Soldatinnen nicht zugestanden. Hätten sie sich selbst zu Zivilistinnen degradiert, wären sie als Zwangsarbeiterinnen eingesetzt worden. Aus dem KZ Ravensbrück wird über den Empfang einer Gruppe von Rotarmistinnen berichtet, bei dem sie als „russische Schweine" beschimpft wurden. So gab es bei einer Zahl von 800.000 bis 1 Mio. Frauen in der Roten Armee keine Frau in einem Kriegsgefangenenlager. Entweder sie wurden gleich liquidiert, weil die „deutschen Volksgenossen" meinten, dass „solche Typen" nicht am Leben bleiben dürften, oder litten und starben im KZ oder bei der Zwangsarbeit.

Frauen als Überlebende

Nach dem Großen Vaterländischen Krieg wurden die Frauen der Roten Armee auf das Schnellste demobilisiert. In den frühen Würdigungen der Armee sind Frauen, „wie es sich gehört", unsichtbar. Es ist für sie besonders schwer, sich in das alltägliche Leben zu integrieren. Nach der alten Regel werden sie von vielen in die Nähe der Huren gerückt, „weil mensch ja weiß, wie es im Kriege zugeht". Zum anderen traute mensch diesen aktiven, kämpferischen Frauen nicht zu, dass sie die Rolle der Frau und Mutter, wie sie der entwickelte Stalinismus vorschrieb, erfüllen könnte. So verschwiegen viele ihre Rolle im Krieg, feierten eventuell am 8. März mal untereinander und gewannen erst eine Stimme in den 80er und 90er Jahren. Das erste Buch, in dem dieser Teil der Geschichte literarisch bearbeitet wurde, ist von Swetlana Alexejewitsch Der Krieg hat kein weibliches Gesicht (Minsk 1984/Hamburg 1989). In ihrem Beitrag zu dem Ausstellungskatalog beschreibt die Autorin, wie der Zensor darauf bedacht war, den besonderen Ruhm der heldenhaften Kämpferinnen zu kultivieren. Im öffentlichen Bewusstsein sollten sie, wenn überhaupt, als Heldinnen erscheinen, aber ihre besonderen Probleme, ihre Leiden verschwiegen werden.

Was entnehmen wir der Geschichte? Jede Frau muss das Recht haben zu kämpfen, insbesondere wenn es um ihre Befreiung geht – auch mit der Waffe. Aber es muss auch ihr Recht sein, sich gegen die Forderungen des Krieges zu wehren. Nicht erlaubt ist das, was Soldatinnen in die US-Armee bewegt: Durch die Hölle des Krieges gehen zu müssen, um eine Ausbildung oder die Staatsbürgerschaft zu gewinnen.

B.S.

 


zu diesem Artikel einen Leserbrief schreiben

Die Antikriegsbewegung: Schon mehr als eine Friedensbewegung
 

Betrieb & Gewerkschaft

Für die Sicherung des Streikrechts – gegen Spaltertarifverträge
1. Mai – 2. Mai 1933: Wie sich die Gewerkschaften den Nazis anpassten
Gewerkschaftlicher Kampf gegen die Agenda 2010?
 

Schwerpunkt

Schwerpunkt Agenda 2010: Sind die Lohnnebenkosten zu hoch?
Die SPD: Sonderparteitag und Mitgliederbegehren
Rürups Empfehlung: S(chamlose) P(rofitorientierte) D(emagogie)
 

Frauen in Bewegung

Mascha - Nina - Katjuscha: Frauen in der Roten Armee
 

International

Hunger nach Leben
Verschärfte imperialistische Konkurrenz und Gefahren für die Weltwirtschaft
Irland: Der Stephens-Bericht:
Vertuschung und Verharmlosung
26. Juli – 1. August Internationales sozialistisches Sommercamp in Portugal: Gemeinsam gegen Krieg und kapitalistische Globalisierung!
 

Aus der Linken

Stalinistischer Amoklauf
CPP – Schwesterpartei der MLPD
 

Und....

Leserbrief
Der real existierende Kapitalismus
 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Avanti April 2003b: download der Internetseiten ~ 120 kb
Avanti April 2003b: download im Originallayout ~ 970 kb

Ältere Avanti 
Ausgaben im Archiv