In Bagdad wurde sogar eine Art Webcam auf einem Hotel
installiert, in dem die Reporter der verschiedenen Nachrichtenkanäle
untergebracht sind. Sie sollen immer die aktuellen Bilder von diesem
Kriegsschauplatz liefern.Immer wenn sich die Massenvernichtungswaffen der USA
und Großbritanniens wie Cruise Missiles und Bomben, die meist von B 52-Bombern
transportiert und abgeworfen werden, Bagdad nähern, wird live dorthin
geschaltet. Dies wird in den Nachrichten entsprechend angekündigt, wohl damit
die Zuschauer sich das Schauspiel der Lichtblitze und das Grollen der
Detonationen nicht entgehen lassen.
Tag X
Nach dem Tag X ist auch für die Fernsehstationen der
Ernstfall eingetreten. Bereits wenige Tage zuvor hatte die Pressesprecherin
des Pentagon ein "Reality-Spektakel der besonderen Art" angekündigt. Krieg
kommt in Echtzeit direkt auf die Mattscheibe. Kameras sind selbst in Panzern
installiert und alle Zuschauer können mitverfolgen, wie die todbringenden
Geschosse das Geschütz des Panzers verlassen. Die Nachrichtenkanäle der
kriegführenden Parteien tun sich natürlich besonders hervor, aber auch
hierzulande will man nicht zurückstehen.
Jetzt ist die große Stunde der sog. "Experten", die die
Fernsehstudios bevölkern und zu dem Kriegsgeschehen ihren Standpunkt darlegen
können. Militaristen jeglicher Couleur nutzen so diese Möglichkeit, ihr Gift
vor einem Millionenpublikum zu versprühen.
Diese Herren ereifern sich über Vorstöße, Präzisionswaffen,
Schnelligkeit und Überlegenheit der Invasoren. Einige von ihnen schwärmen
geradezu von der Treffsicherheit der High Tech-Waffen. Sie finden den Krieg
gut und ernten von den anwesenden JournalistInnen kaum Widerspruch, obwohl
sich die BRD-Regierung offiziell gegen den Krieg aussprach.
Tausende Menschen fielen diesem Feldzug bereits zum Opfer –
SoldatInnen und Zivilpersonen. Doch der Wahnsinn dieses Krieges hat erst
angefangen, verkünden uns die Kriegsherren aus Washington und London vor
laufenden Kameras.
Nicht einmal dann erfolgt ein Aufschrei, wenn die
JournalistenkollegInnen im Irak mit Raketen angegriffen und getötet werden. Im
Gegenteil: Ein Großteil der TV-JournalistInnen rechnet diese Raketen dem
Regime von Saddam Hussein zu und gegen diese Leute ist bekanntlich jedes
Mittel erlaubt. Journalistenverbände und Amnesty International haben die
Angriffe auf Medieneinrichtungen scharf verurteilt. Die Antikriegsbewegung
muss alle Möglichkeiten nutzen, gegen die Desinformation der meisten Medien
und deren Kriegsbeteiligung vorzugehen.