RSB / IV. Internationale      zurück zur Startseite

AKTUELL REGIONAL ÜBER UNS ARCHIV THEMA LINKS KONTAKTE
  AVANTI April 2003  download am Ende der Seite  
  Stoppt den Krieg!

 

 

 

Innen
Türkei:
Savasa Hayir gegen “nationale Interessen”

“Savasa Hayir” ist Türkisch und heißt “Nein zum Krieg”. So lautet die Forderung vieler KriegsgegnerInnen, die in der Türkei den Kriegswilligen das Leben schwer macht.

Als das türkische Parlament die Stationierung der US-amerikanischen SoldatInnen auf dem türkischen Territorium in der Nähe der irakischen Grenze ablehnte, waren nicht nur die USA und andere Teile der Weltöffentlichkeit überrascht. Auch die türkische konservativ-islamistische Regierungspartei, die über die absolute Mehrheit im Parlament verfügt, war von dieser Entscheidung schwer getroffen. Sie verhandelte mit den USA über den Preis der Stationierung der US-Truppen und glaubte dadurch einige Milliarden US-Dollar "Hilfe" und Kredite in der Tasche zu haben.

Diese parlamentarische Überraschung stärkte die Antikriegsbewegung in der Türkei, wo nach Umfragen fast 90 % der Bevölkerung gegen den Irakkrieg sind. Die starke Antikriegsstimmung breitete sich sehr schnell aus: In Istanbul z. B. trifft mensch überall junge und alte Frauen und Männer, die "Savasa Hayir" Anstecker tragen; in den Schaufenstern der unzähligen Läden liest mensch "Nein zum Krieg, ja zum Rabatt" und Taxis fahren mit Schildern "Nein zum Krieg".

Ohnmacht von Regierung und Militär

Obwohl so die starke Ablehnung der Bevölkerung gegen den Irakkrieg untermauert wird, verpflichteten sich die türkische Regierung und das Militär, noch vor Kriegsbeginn an der Seite des "strategischen Partners" USA zu stehen. Dabei begründeten sie ihre Unterstützung mit sogenannten nationalen Interessen: erstens, durch die versprochene finanzielle Hilfe könnte die angeschlagene türkische Wirtschaft saniert werden; zweitens, eine Kriegsbeteiligung der Türkei könnte die Gründung eines kurdischen Staates bzw. eines föderativen Iraks verhindern, der KurdInnnen mehr Rechte einräumt als jetzt. Obwohl die Durchsetzung dieser "nationalen Interessen" im Augenblick nicht zu gewährleisten ist, werden sie im weiteren Verlauf des Krieges nach wie vor die Perspektive der Herrschenden in der Türkei bilden.

Der Oberkommandant der türkischen Streitkräfte, Hilmi Özkök, erklärte am 26. März 2003 bei einer Pressekonferenz, dass "dieser Krieg nicht unser Krieg" sei. Er stellte aber auch unmissverständlich klar, dass die Türkei alles machen werde, ihre nationalen Interessen zu verteidigen. Damit spielte er auf die Aufstockung der türkischen Truppen im Nordirak als Pufferzone für eine "humanitäre Maßnahme" an. Ob ein Aufmarsch und damit eine aktivere Beteiligung der türkischen Armee am Irakkrieg erfolgen wird, bleibt zunächst eine Frage der weiteren Entwicklung des Krieges.

Grossmedien und „Arbeitgeber"verbände

Vor und nach der Ablehnung der Stationierung der US-SoldatInnen in der Türkei, schrien türkische Großmedien und „Arbeitgeber"verbände, dass die nationalen Interessen durch diese Parlamentsentscheidung beschädigt worden seien. In den Medien werden die KriegsgegnerInnen und die Regierung angegriffen, weil mit der Antikriegshaltung die Türkei bei der Neuordnung des mittleren Osten mit leeren Händen stehen werde, das heißt ohne Kriegsbeute. Der „Arbeitgeber"verband, TÜSIAD, kritisiert die zurückhaltende Politik der Regierung im Irakkrieg und betont, dass sie die Beziehung zu den USA und die versprochenen Finanzhilfen aufs Spiel setze. Die Reaktion der Großkapitalisten ist insofern "berechtigt", als sechs Milliarden US-Dollar als Soforthilfe für sie bestimmt waren!

Auf Drängen der USA und der Kriegswilligen in der Türkei beschloss das Parlament schließlich Überflugrechte für die Kriegsmaschinerie. Somit beteiligt sich die Türkei indirekt an dem Irakkrieg.

Treibende Kraft gegen den Krieg

Die Antikriegsaktivitäten in der Türkei werden federführend von der Emek Platformu (Plattform der Arbeit) organisiert. Hauptbestandteil dieser Plattform sind Disk (linker Gewerkschaftsverband), KESK (Dachverband der ArbeiterInnen/Angestellten-Gewerkschaften im öffentlichen Dienst), TMMOB (die Kammer der IngenieurInnen und ArchitektInnen) und TTB (Verband der türkischen ÄrztInnen). Diese Plattform mit anderen Parteien und Organisationen brachte am 1. März 100.000 Menschen gegen den Krieg auf die Straßen von Ankara und übergab dem Parlament eine Million Unterschrift gegen den Krieg. An diesem Tag stimmte das türkische Parlament gegen die Stationierung der US-SoldatInnen in der Türkei.

Am 27. März rief die Plattform der Arbeit unter dem Motto "Nein zum Krieg und nein zum Kriegshaushalt" zu einem Aktionstag auf. In der ganzen Türkei beteiligten sich Tausende von Menschen an verschiedenen Aktionen. In verschiedenen Städten legten die Arbeitenden ihre Arbeit nieder und demonstrierten Studierende in allen Universitäten.

Die direkte Kriegsbeteiligung der Türkei hängt u.a. davon ab, wie stark diese Antikriegsbewegung auftreten wird.

Muhterem Can

 


zu diesem Artikel einen Leserbrief schreiben

“Krieg” an der “Heimatfront”
Leiharbeit: Gleicher Lohn – ade!
 

AntiFa

NPD-Verbot gescheitert
 

Schwerpunkt

Rürup wird rührig
Austritte aus der SPD
Bombenhagel auf Bagdad
Die Medien als Kriegspartei
TV liefert „Reality-Spektakel“
Nordkorea: Der Schlaf der Vernunft
Israel-Palästina Für einen gerechten Frieden
Doppelt und dreifacher Protest in Potsdam
 

Frauen

Eleanor Marx - Vatertochter?
   
 

International

Türkei: Savasa Hayir gegen “nationale Interessen”
 

Aus der Linken

Die PDS und der Krieg
 

Aus dem RSB

Osterseminar des RSB vom 13. bis 18. April in Amsterdam: Eine bessere Welt ist möglich!
 

Und....

Leserbrief

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Avanti April 2003: download der Internetseiten ~ 120 kb
Avanti April 2003: download im Originallayout ~ 520 kb

Ältere Avanti 
Ausgaben im Archiv