Dies zeigte sich allein an der Zahl der Demonstrierenden.
Am Tag X waren Vormittags gut 3000 und am Tag danach gut 5000 SchülerInnen auf
Potsdams Straßen. Erstaunlich ist dabei, dass die Demo am Tag X völlig spontan
war. Die Jugendlichen gingen teilweise auf eigene Faust, teilweise mit
Freistellungen ihrer DirektorInnen in die Innenstadt zum Demonstrieren. Dabei
suchten sie sich als Treffpunkt eines der wenigen Deserteurs-Denkmäler aus,
die es in Deutschland gibt und passender Weise in der ehemaligen
Garnisonsstadt Potsdam steht. Von dort aus ging es dann durch die Innenstadt.
Doch wer gedacht hatte, dass es das schon gewesen sei,
der/die hat nicht mit dem Elan der jungen PotsdamerInnen gerechnet. Für den
ersten Schultag nach dem Tag X hatte das größtenteils mit SchülerInnen
besetzte Potsdamer Bündnis gegen den Krieg zu einer Demo aufgerufen. Das
Bündnis hatte schon eine große SchülerInnen-Demo und diverse Veranstaltungen
wegen des Afghanistan-Krieges organisiert. Kamen zu dieser Demo ca. 1000 junge
Menschen, so waren es diesmal fünf mal mehr SchülerInnen.
Diese hielten sich dann auch nicht an die von der Polizei
angewiesene Route durch die Innenstadt, sondern gingen die großen
Hauptverkehrsstraßen entlang. Die Polizei konnte soviel Dynamik nichts
entgegensetzen und musste zuschauen. Mit Sprechchören wie "Wir woll’n
internationale Solidarität" und "USA – Internationale Völkermordzentrale!"
ging es dann mit "leicht" abgeändertem Weg zurück zum Ausgangsort. Dort
besetzten ca. 300 SchülerInnen sitzend und stehend die Kreuzung. Die Polizei
hatte Hemmungen, aggressiv dagegen vorzugehen und so zog sich die Besetzung
über eine halbe Stunde hin. Der kämpferischen Demo konnte sich übrigens auch
nicht der SPD-Oberbürgermeister entziehen, der sich am Ende der Demo
anschloss, aber während der Besetzungen wieder verschwand.
Genau sieben Tage nach dem Tag X organisierten die
SchülerInnen dann noch eine dritte Demo, die mit 3500 Jugendlichen auch nicht
schlecht besetzt war. Ein ähnliches Schauspiel, wie bei den Demos zuvor bot
sich dem/der ZuschauerIn. Interessant ist auch, welche gesellschaftlicher
Querschnitt auf den Demos vertreten ist. Hier finden wir das 15jährige
SMS-schreibende Mädchen mit gefärbten Haaren und Handtäschchen genauso wie den
17jährigen Punk. Eine breite Bewegung also, die sich jetzt noch eine eigene
Struktur und Festigkeit schaffen muss, um schlagkräftig zu bleiben. Denn die
anstehenden Einschnitte im Sozialbereich gehen die SchülerInnen mindestens
genauso an und werden sie hart treffen.