Es sei für die USA kein Problem, zwei Kriege gleichzeitig
zu führen und auch zu gewinnen, hatte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld
Ende vergangenen Jahres erklärt. Zwei Monate nach Ausbruch des Konflikt um die
nordkoreanische Nuklearbewaffnung wollte er damit die Regierung Kim Jong-ils
warnen, nicht auf größere Zugeständnisse zu hoffen, weil die USA mit einem
anderen "Schurkenstaat" beschäftigt sind.
Der erste Krieg hat nun begonnen. Das Militärarsenal der
USA ist jedoch gewaltig genug, um noch genügend Schiffe und Flugzeuge für ein
gemeinsames Großmanöver mit südkoreanischen Truppen bereit stellen zu können.
Die offizielle nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA bezeichnete dies als
Vorbereitung eines Präventivkrieges und prophezeite: "Ein Nuklearkrieg kann
jeden Moment ausbrechen."
Nordkorea beansprucht das Recht, Atomwaffen herzustellen.
In einer bilateralen Vereinbarung mit den USA hatte die Regierung 1994 gegen
Öllieferungen und andere ökonomische Zugeständnisse auf nukleare Rüstung
verzichtet. Doch nach nicht überprüfbaren nordkoreanischen Angaben haben die
USA gegen ihre vertraglichen Verpflichtungen verstoßen. Der folgende
diplomatische Schlagabtausch mündete in den offiziellen Ausstieg aus dem
Atomwaffensperrvertrag – ein grundsätzlich legaler Schritt. Allerdings
versäumte es Nordkorea, die dreimonatige Kündigungsfrist einzuhalten.
Kern des Konflikts ist die verzweifelte Notlage des
nordkoreanischen Regimes auf der einen und die mit borniertem Militarismus
gepaarte imperiale Arroganz der USA auf der anderen Seite. Seit Jahren wird in
Nordkorea gehungert, große Teil der Bevölkerung sind von
UN-Nahrungsmittellieferungen abhängig. Das poststalinistische Regime gibt
schätzungsweise 25 Prozent des Bruttosozialprodukts für militärische Zwecke
aus. Die Staatsideologie verkündet offiziell, dass "die Armee vor die
Arbeiterklasse gestellt" werden müsse und "Säule und wichtigster Akteur der
Revolution" sei.
Tatsächlich geht es schlicht darum, dass Atomprogramm
möglichst teuer an die USA zu verkaufen, um die bereits beschlossenen
kapitalistischen Reformen finanzieren zu können. Statt diese aus
kapitalistischer Sicht eigentlich vernünftige Anregung aufzunehmen, die die
USA nur einen Bruchteil des Irak-Kriegsbudgets kosten würde, reagierte Bush
stur. Keine Kompromisse, keine bilateralen Verhandlungen hieß es aus dem
Weißen Haus. Statt den von Nordkorea geforderten Nichtangriffspakt zu
unterzeichnen, wurde die Nahrungsmittelhilfe gekürzt.
Da es in Nordkorea kein Öl gibt und ein Krieg eine der
wenigen Wachstumsregionen der Welt in die Katastrophe stürzen würde, scheint
ein "Präventivschlag" der USA derzeit unwahrscheinlich. Militärische
Provokationen aber können zu einem Krieg eskalieren. Große Teile der
südkoreanischen Bevölkerung, die am meisten unter nordkoreanischen
Vergeltungsschlägen leiden würde, sind nicht mehr bereit, die Risiken des
US-Militarismus zu tragen. Immer wieder gibt es Massendemonstrationen gegen
die US-Truppenpräsenz und für Verhandlungen mit Nordkorea.