Am 14. März stellte Bundeskanzler Schröder das
"Reform"paket der Bundesregierung vor. Die Botschaft war absehbar: Die
ArbeiterInnenklasse soll die kapitalistische Krise bezahlen. Schröders
"Reformen" (siehe Kasten) bringen den 300000 KapitaleignerInnen neue
Erleichterungen und den 41 Millionen Lohnabhängigen umfangreiche Belastungen.
"Bündnis" aufgegeben
SPD und Grüne haben ihr zentrales innenpolitisches Projekt,
das "Bündnis für Arbeit und Wettbewerbsfähigkeit" aufgegeben. Die neuen
Kürzungen sind so umfassend, dass Kapital und Regierung nicht mit der
Zustimmung der Gewerkschaftsbürokratie rechnen können. Das "Bündnis" wurde de
facto durch eine Große Koalition aus SPD und CDU-CSU, unterstützt von den
Kapitalverbänden, ersetzt. Eine wichtige Rolle spielen die bürgerlichen
Medien, die seit Monaten für eine Verschärfung des neoliberalen "Reform"kurses
trommelten. Gleichzeitig machten sie gegen die Gewerkschaften, als größtem
"Hindernis" zur Durchsetzung der "Reformen", Stimmung.
Gewerkschaften in Defensive
In den Gewerkschaften wuchs der Druck der Aktiven auf die
Vorstände, sich dem sozialen Kahlschlag zu verweigern. Gegen die
Hartz-Vorschläge regnete es Protestresolutionen. Wie werden die Gewerkschaften
auf Schröders Kampfansage antworten? Ein Teil der Gewerkschaftsbürokratie ist
selbst neoliberal und wird sich den "Reformen" unterwerfen. Linke
SozialpartnerInnen werden zur Gegenwehr aufrufen. Auch die zentralen
Apparatfraktionen könnten mobilisieren – um so schnell wie möglich zum
"Bündnis für Arbeit" zurückzukehren.
Aussen & innen
Wenn die Bundesregierung einige Rücksichtnahmen auf die
Gewerkschaftsbürokratie fallen läßt, dann ist das eine wichtige politische
Kursänderung. Die Kräfteverhältnisse zwischen den Klassen sollen nach außen
und innen neu bestimmt werden. Außenpolitisch erfordern die imperialistischen
Interessen des BRD- und EU-Kapitals eine Politik der begrenzten
Konfrontation mit den USA. Dieser für das Zusammenwachsen der EU recht
erfolgreiche Kurs stärkte das Selbstbewußtsein des Kapitals und seiner
Regierung. Das ließ Schröder-Fischer auch in der Innenpolitik fordernder und
kampfbereiter auftreten und die Auseinandersetzung mit den Gewerkschaften
suchen.
Doch beide Konflikte sind begrenzt. Weder will die
Bundesregierung den völligen Bruch mit den USA noch die Niederschlagung der
Gewerkschaften. In der Konkurrenz der Blöcke sind, vor allem bei einem
schnellen militärischen Sieg der USA im Irak, jederzeit Kompromisse möglich.
Dies gilt auch innenpolitisch, wenn die Gewerkschaften gegen die soziale
Demontage erfolgreich mobilisieren würden.
Die dritte Kraft
Schröder–Fischer muss das Wasser bis zum Halse stehen, wenn
sie sich gleichzeitig mit den USA und den eigenen Gewerkschaften
auseinandersetzen. Dabei haben sie die Antikriegsbewegung nicht in Rechnung
gestellt. Diese mag zunächst ungewollt als "Verbündete" der Kern-EU gegen die
USA, Britannien und den spanischen Staat wirken. Sollte aber die
Antikriegsbewegung in der BRD die "soziale Frage" aufgreifen, dann könnte die
Große Koalition des Neoliberalismus ernste Probleme bekommen. Wenn sich die
Gewerkschaftsbewegung mit der Friedensbewegung verbindet, bestehen dafür die
besten Aussichten.