Nachdem schon unter "rot"grüner Federführung Bremen und
Hamburg die zwangsweise und zuweilen tödliche Brechmittelvergabe an schwarze
und kurdische Jugendliche zwecks Beweissicherung einführten, haben
interessierte Kräfte aus Polizei- und Justizapparat einen neuen Vorstoß
eröffnet. Ein Extremfall, die Entführung und Ermordung eines Kindes, wird
herangezogen, um in einer medial aufgeputschten Situation durch gezielten
Druck auf die Tränendrüsen der Öffentlichkeit, die Akzeptanz für
Gewaltanwendung auf Polizeirevieren zu erhöhen. Durch schmerzzufügende, aber
keine bleibenden körperlichen Schäden (und von ÄrztInnen attestierbare Spuren)
hinterlassende Eingriffe, sollen potenziell Tatverdächtige zum Sprechen
gebracht werden. Falls kein Resultat erzielt wurde, hat der Verdächtige halt
Pech gehabt.
Nun belegen Untersuchungen über Folter, dass diese
Traumatisierungen zumindest psychische Schäden hinterlassen und die Würde
eines Menschen bricht. Auch sind Folteropfer, um den ihnen zugefügten
Schmerzen zu entgehen, häufig bereit, auch bei Unschuld Taten zuzugeben. Die
Unschuldsvermutung wird durch eine angenommene Schuld ersetzt, der mensch
zunächst kaum entrinnen kann.
Dass Folter (Schläge, Schlafentzug, Untertauchen,
Elektroschocks, Vergewaltigungen, etc.) auf vielen europäischen
Polizeirevieren auch ohne legale Absicherung an der Tagesordnung sind, belegen
die Reporte verschiedener Menschenrechtsorganisationen, so in Nordirland oder
Spanien. Auch in der BRD gehören z.B. Schläge auf Polizeirevieren für viele
Arbeiterjugendliche, besonders auch MigrantInnen, zum Alltag.
Nun scheint der Testballon zur Legalisierung von Folter
erst einmal geplatzt zu sein. Das ist aber, nicht nur wegen der Realität auf
Polizeiwachen, kein Grund zur Beruhigung. Die Zurückweisung durch das
Justizministerium und die großen Parteien war nicht allzu entschieden und in
gewisser Hinsicht von Verständnis ("... kann doch mal passieren, so etwas...")
geprägt. Der Vorstoß wird wohl nicht der letzte gewesen sein. Gerade darum ist
es notwendig, den Kampf gegen die Repression und für die Verteidigung
demokratischer Rechte zu intensivieren und für die Auflösung
unkontrollierbarer Repressionsorgane wie Polizei und Geheimdienste
einzutreten.