BeobachterInnen, die den Krieg damals an Ort und Stelle
miterlebt haben, sprechen von einem bevorstehenden Massaker. In Bagdad sollen
3000 Ziele in den ersten Stunden zerstört werden. Ein Beamter des Pentagon
erklärte im US-Fernsehen: "Es wird keinen sicheren Ort in Bagdad geben. Das
schiere Ausmaß dieses Angriffs hat es zuvor nie gegeben."
Inzwischen befinden sich mehr als 250000 US-amerikanische
und britische Truppen in der Region. Der Truppenaufmarsch ist seit Tagen
abgeschlossen und die heiße Phase eines Krieges, der schon nach dem Ende des
2. Golfkrieges mit einer menschenverachtenden Blockade begonnen hatte, kann
nach Ansicht der imperialistischen Kriegsherren beginnen. In den letzten zwölf
Jahren wurden mehr als 1 Million IrakerInnen, unter ihnen 500 000 Kinder,
durch die Folgen des Boykotts getötet.
Warum Krieg?
Der imperialistische Angriffskrieg gegen den Irak wurde
schon 1998 in ultrarechten US-Denkfabriken geplant. Das Project for the New
American Century (PNAC), das bereits 1997 gegründet wurde, forderte
US-Präsident Clinton am 28.01.1998 in einem Brief zum Sturz Saddam Husseins
und zu einer radikalen Umkehr im Umgang mit der UNO auf.
Zu den Mitgliedern des PNAC gehören führende Mitglieder der
Bush-Regierung wie zum Beispiel Vizepräsident Cheney und Verteidigungsminister
Rumsfeld. Damals wie heute ging es auch darum, sich des irakischen Erdöls zu
bemächtigen. Es handelt sich nach Saudi-Arabien um die zweitgrößten
Erdölvorkommen weltweit. ExpertInnen vermuten weitere riesige Öl-Vorkommen im
unerforschten Westen des Irak. Diese Reserven würden sogar die von
Saudi-Arabien übertreffen. Hinzu kommt, dass das irakische Öl leicht zu
fördern ist, und bei politischen Problemen in anderen Golfstaaten auch die
Ausfuhr über Mittelmeerhäfen der Nachbarstaaten möglich wäre. Nur das Ende der
Regierung von Saddam Hussein wird den USA letztendlich die Kontrolle über die
irakische Ölindustrie verschaffen und damit die Möglichkeit eröffnen, das Öl
entscheidend zu verbilligen.
Der Politikwissenschaftler Mohsen Massarat hat kürzlich
vorgerechnet, dass die jährliche Ersparnis für die US-Wirtschaft bei ca. 150
Mrd. Dollar liegen würde. "Die geschätzten Kriegskosten von ca. 200 Mrd.
Dollar würden in Kürze amortisiert", so Massarat weiter.
Keine andere US-Regierung hat vorher ein derart
gigantisches Aufrüstungsprogramm beschlossen wie die Bush-Regierung. Im Zuge
des sogenannten Kampfes gegen den Terror wurden die Militärausgaben auf 380
Mrd. Dollar erhöht.
Billiges Öl und die vollen Auftragsbücher der
US-Rüstungsfirmen würden die kränkelnde Konjunktur in den USA wieder in Fahrt
bringen. Auch in der deutschen Wirtschaft gibt es Stimmen, die einem kurzen
begrenzten Krieg gegen den Irak eine "positive ökonomische Wirkung"
zuschreiben. Die Kontrolle des irakischen Öls ist aber nur einer der
Kriegsgründe für den US-Imperialismus und seinen Vasallen Blair.
Strategische herrschaft im Mittleren Osten
Ziel der USA ist es, den dauerhaften Zugriff auf die
Ölfelder am Persischen Golf zu sichern. Ein Nachkriegsszenario, das die USA
entworfen haben, geht von einer mehrere Jahre dauernden Besetzung des Irak
aus. Ein Krieg erscheint der US-Regierung auch deshalb notwendig, weil sich
Saudi-Arabien von einem verlässlichen Statthalter zu einem unsicheren
Kantonisten entwickelt hat. Seit Beginn des Afghanistankrieges hat sich auch
die Haltung von großen Teilen der Bevölkerung gegenüber den USA drastisch
verändert. Vor allem den USA geht es in dieser imperialistischen Kriegsallianz
um die Gewinnung der strategischen Vorherrschaft in einer riesigen Region, die
sich vom Mittelmeer bis nach Zentralasien erstreckt.
Bereits am 19.März 1999, wenige Tage vor der Bombardierung
Jugoslawiens wurde der Silk Road Strategy Act vom US-Kongress
verabschiedet. Dieses "Seidenstraßen-Strategie-Gesetz" zielt auf eine
Schwächung der Wettbewerber im Ölgeschäft, darunter Russland, Iran und China.
Diese Länder sollen geschwächt und destabilisiert werden. Dort heißt es u.a.:
"Zu den erklärten Zielen der US-Politik im Hinblick auf die Energieressourcen
in dieser Region gehört es, (...) Russlands Monopol über die Öl- und
Gastransportrouten zu brechen (...), den Bau von Ost-West-Pipelines zu
ermutigen, die nicht durch den Iran verlaufen, sowie zu verhindern, dass der
Iran gefährlichen Einfluss auf die Wirtschaften Zentralasiens gewinnt."
Die alte, ökonomisch geschwächte Kolonialmacht
Großbritannien will bei der imperialistischen Neuaufteilung der Region vom
Schwarzen Meer bis an die chinesische Grenze natürlich mit von der Partie
sein.
Einige der Kriegsstrategen in der Bush-Regierung denken
bereits über das Ende des Irakkrieges hinaus und visieren neue Kriegsziele in
der Region an. Unverhohlen wird dort Syrien wegen der Bedrohung für Israel –
einer der offiziell genannten Gründe für den Irakkrieg – ins Fadenkreuz
genommen.