Die Alstom-Aktie fiel auf einen neuen Tiefstand, so
dass einer der größten Elektrotechnikkonzerne der Welt jetzt nur noch einen
Aktienwert von 400 Millionen Euro hat. Seit der Börsennotierung 1998 hat die
Alstom-Aktie einen Kursverlust von 90 % zu verzeichnen. Keine guten Aussichten
für die rund 120.000 Beschäftigten weltweit.
Expansion
Alstom ist durch den Expansionskurs seines "historischen
Patrons" Bilger, durch Managementfehler und Qualitätsmängel in eine
Existenzkrise geraten. Die Ursachen hierfür liegen in der Logik des
Kapitalismus: im weltweit verschärften Konkurrenzkampf, in der immer
kurzfristigeren Logik der Profitsteigerung um jeden Preis und damit nicht
zuletzt in der Orientierung am spekulativen Element des neoliberalen Systems.
Sanierung
Kron, der als "Kostenjäger" und "Sanierer" zu Alstom geholt
worden ist, will die bedrohliche Verschuldung des Konzerns von rund 5,3
Milliarden Euro bis 2005 halbieren. Zahlen sollen die Zeche vor allem die
Noch-Beschäftigten. Der angekündigte Verkauf der Sparte Stromübertragung und
-verteilung sowie der Sparte Industrieturbinen wird etwa 35.000 Beschäftigte
betreffen. Ferner sollen rund 500 Millionen Euro pro Jahr an Lohn- und
Gehaltskosten "eingespart" werden. Das sind rund 10.000 weitere Arbeitsplätze.
Obwohl konkrete Abbaupläne zweifelsohne bereits vorbereitet sind, wollte Kron
sich zu Einzelheiten nicht äußern. Es klingt wie Hohn: Einerseits kündigt er
beschleunigte "Kostensenkungsprogramme", eine weitere "Filetierung" des
Konzerns und das Abstoßen anderer Konzernbereiche wie den Schiffsbau an.
Andererseits behauptet er, dass der Prozess der Arbeitsplatzvernichtung "fair"
und "unter vollständiger Einbeziehung unserer Sozialpartner" ablaufen soll.
Widerstand
Der Europäische Betriebsrat von Alstom kritisierte Krons
Ankündigungen. Alle geplanten Maßnahmen seien ohne vorhergehende Anhörung
dieses Gremiums entschieden worden. Der Euro-Betriebsrat kündigte politischen
und rechtlichen Widerstand gegen die Abbaupläne der Konzernleitung an: "Es ist
höchste Zeit, unsere Arbeitsplätze zu verteidigen!" Der schon im Sommer 2002
diskutierte europaweite Aktionstag wird erneut ins Gespräch gebracht. Es ist
allerdings höchste Zeit, dass diesen Worten ein entschlossener Widerstand auf
allen Ebenen folgt.