RSB / IV. Internationale      zurück zur Startseite

AKTUELL REGIONAL ÜBER UNS ARCHIV THEMA LINKS KONTAKTE
  AVANTI März 2003 [2] download am Ende der Seite  
  Streik gegen Krieg!

 

 

 

Innen
Afghanistan ein Jahr nach Taliban

Der Krieg gegen Afghanistan sollte angeblich dem „Kabuler Terrorregime“ ein Ende setzen. Die Taliban sind entmachtet, aber Gewalt und Unterdrückung sind nicht weniger, in vielen Bereichen sogar schlimmer geworden.

Der Unterschied zur Lage vor dem 7. Oktober 2001 liegt darin, dass jetzt auch ausländisches Militär beteiligt ist. An den grundlegenden Konflikten hat sich nichts geändert, nur dass die ethnischen Säuberungen eine neue Dimension erreicht haben.

Ethnische Säuberung

Mit direkter und indirekter Unterstützung der USA werden die Volksgruppen gegeneinander gehetzt, z.B. werden die Paschtunen in Nordafghanistan durch die Dostom-Milizen (Usbeken) und die Tadschiken (Nord-Allianz) aus ihren Häusern getrieben und zur Flucht in den Süden bzw. nach Pakistan gezwungen. Leitspruch der Nord-Allianz (=Mordallianz): den Norden Paschtunen-frei machen.

Die USA unterstützen diese Vertreibungspolitik, weil sie grundsätzlich die Volksgruppe der Paschtunen mit den Taliban und dem Terror gleichsetzen (die Taliban waren mehrheitlich Paschtunen). Nach Angaben der Hilfsorganisationen sind bis Dezember 2002 ca. 25 000 paschtunische Flüchtlinge aus Nordafghanistan in Peshawar (Pakistan) durch das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) betreut worden.

Dostom-Milizen liefern sich täglich Schießereien mit Tadschiken im Nordosten, um die Vorherrschaft im Nordosten und Norden zu gewinnen. Begleitet sind diese Kämpfe von Plünderungen, Vergewaltigungen und Häuserverbrennungen. In Zentralafghanistan kämpfen (schiitische) Hazaras gegen Tadschiken um die Vorherrschaft. Hier sind die Hazaras wegen ihrer engen Beziehungen zu schiitischen Kräften im Iran den Amerikanern ein Dorn im Auge.

Die US-Truppen betreiben ihre „Terrorbekämpfung" durch Bombardierung von Dörfern und die Festnahme einfacher Bauern. So wurde z. B. im Januar das Dorf Musa-Kala (Provinz Helmand in Südwestafghanistan) beschossen: zahlreiche Tote und Verletzte, Hunderte von Festnahmen, darunter auch zehnjährige, unterernährte Kinder.

Rechtslage

Auf der Luftwaffenbasis Bagram (40 km nördlich von Kabul) wurde ein inzwischen berüchtigtes amerikanisches Foltergefängnis eingerichtet. Dort werden zumeist Bauern unbegrenzt in Einzelhaft gehalten und mit barbarischen Methoden gefoltert und verhört. In der ersten Märzwoche sind zwei Leichen aus Bagram mit der offiziellen Erklärung in die Hauptstadt gebracht worden: „Es war ein natürlicher Tod", aber keiner hat Zweifel daran, dass die jungen Bauern unter der Folter gestorben sind. In der Presse der Region (Pakistan, Iran) ist viel darüber geschrieben worden.

Die Nord-Allianz und die Dostom-Milizen haben in Kabul und in den Provinzhauptstädten Privatgefängnisse eingerichtet, um die politische Opposition zu unterdrücken. Im November 2002 haben die Studenten der Uni Kabul für genügend Brotrationen im Monat Ramadan (dem Fastenmonat der Moslems) friedlich demonstriert. Die Demonstration wurde gewaltsam unterdrückt, 6 Studenten durch die Nord-Allianz erschossen, 41 verletzt. Ca. 160 Festgenommene sind spurlos verschwunden.

Frauenrechte

Durch Beschluss des Obersten Gerichtshofes sind gemischte Klassen von der Grundschule bis zur Universität verboten. Männliche Lehrkräfte dürfen nicht Frauen unterrichten und umgekehrt. Mädchenschulen gibt es nur in Kabul und auch hier nur in sehr begrenzter Zahl, nämlich für privilegierte Politiker- und Händlerschichten.

Es herrscht nach wie vor eine allgemeine Unsicherheit für Frauen aufgrund der Zwangsehen und der Vergewaltigungen durch die Nord-Allianz-Milizen. Dies läuft auch in der Hauptstadt und unter den Augen der sogenannten internationalen Friedenstruppen. So ist z. B. Anfang März eine junge Frau (der schiitischen Hazara) im westlichen Teil Kabuls (Dasht-i-Bartschi) am helllichten Tag durch Soldaten der Nord-Allianz entführt und vergewaltigt worden. Dies hat Massenproteste ausgelöst, die aber mit militärischer Gewalt unterdrückt wurden.

Liebespaare werden durch die Religionspolizei (so zuletzt wieder in Heart, Westafghanistan) wegen angeblicher sexueller Beziehungen verhaftet und anschließend ärztlich untersucht. Dies wurde während Karzais Amerikareise von Senatorin Barbara Boxer (Kalifornien) im Senatsausschuss Foreign Relations erläutert.

Internationale Aufbauhilfe

Laut internationaler Presse sind 2002 nach Afghanistan mehr als 1,7 Mrd. $ Hilfsgelder geflossen. Die Bevölkerung erlebt dies nur im aufwendigen Lebensstil und dem Luxus der hohen Regierungsbeamten. Es herrschen Korruption und Vetternwirtschaft, vor allem durch Karzais Verwandte und Freunde und die Minister der Nord-Allianz. So hat z. B. deren Minister für Verteidigung in letzter Zeit drei Häuser in New Delhi gekauft (die Nord-Allianz hat gute Beziehungen zu den Hindunationalisten).

Mit Hilfsgeldern werden vor allem Waffen und Minen von Russland, Indien und Iran gekauft und für zukünftige Machtkriege aufbewahrt.

Sicherheit

Plünderungen, bewaffnete Raubüberfälle und Erpressung sind an der Tagesordnung. Die Warlords (es gibt etwa 180 davon) sind immer noch mächtig und viele davon sind enge Freunde des CIA und haben über Satellitentelefon Verbindung zur amerikanischen Flotte in Diego Garcia (im indischen Ozean). Sie müssen ständig über ihr Einflussgebiet Bericht erstatten. Vor allem der Wegezoll macht die Organisierung eines „normalen Lebens" sehr schwer.

Mohammed Anwar Karimi


zu diesem Artikel einen Leserbrief schreiben

Schröders “Reformen”: Kampfansagen nach außen und innen
Änderungen Kündigungsschutz: Ein Angriff auf alle Lohnabhängigen
 

Betrieb & Gewerkschaft

Alstom: Arbeitsplatzvernichtung angekündigt
 

Schwerpunkt

Bushs Gründe für das Kriegsinferno an Euphrat und Tigris
Geiseln des Völkerrechts
Das Regime Saddam Hussein
Kurdistan im Schatten des Krieges
 

Antirepression

Folter: Altes Europa?
   
 

International

Afghanistan ein Jahr nach Taliban
 

Aus der Linken

PDS: Neues Programm, alte Diskussion
 

Aus dem RSB

Osterseminar des RSB:
Eine bessere Welt ist möglich!
 

Und....

Der real existierende Kapitalismus
Kurz und wichtig

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Avanti Februar 2003 [2]: download der Internetseiten ~ 120 kb
Avanti Februar 2003 [2]: download im Originallayout ~ 160 kb

Ältere Avanti 
Ausgaben im Archiv