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  Streik! Demos! Ziviler Ungehorsam!

 

 

 

Innen
Wie weiter mit der Antikriegsbewegung?

Der 15. Februar 2003 steht für eine eindrucksvolle weltweite Demonstration und ist Beweis der potentiellen Macht einer international koordinierten Antikriegsbewegung. Millionen Menschen gingen weltweit auf die Straße.

In London waren es mutmaßlich 3 Millionen, in Rom 1 Million, in Berlin eine halbe Million und auch in New York und anderen US-Städten gingen Hundertausende auf die Straße. Die Proteste gegen den Krieg werden Washington zwar nicht zum Einlenken bewegen, aber die US-Diplomatie muß sich auf die Stimmung der Straße einstellen, speziell den Kriegsalleingang zusammen mit Britannien zu vermeiden trachten. Derweil hat sie auf diplomatischer Ebene Pluspunkte sammeln können.

Die EU-Verständigung vom 17. Februar ist nicht ein Punktsieg von Frankreich und Deutschland sondern der USA! So interpretabel die EU-Erklärung zum Irak für die einzelnen europäischen Mächte ist, sie erfordert die Stimmenthaltung der momentanen europäischen Sicherheitsratsmitglieder und speziell des ständigen Mitglieds Frankreich. Andererseits wäre das Bemühen um eine europäische Außenpolitik wieder zunichte. All dies zeigt, dass der Krieg um Öl auch ein Schattenkrieg von USA und EU um wirtschaftliche und militärische Macht von morgen ist.

So beindruckend die TeilnehmerInnenzahlen am 15. Februar waren, so unterschiedlich sind die Motive der Teilnehmenden. Die RegierungsvertreterInnnen und die AnhängerInnen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen demonstrieren für ein von den USA emanzipiertes Europa. Die Sticker "Altes Europa" hatten für diesen Teil der Demonstration Sinnstiftendes. Die Grenzlinie KriegsbefürworterInnen und KriegsgegnerInnen verläuft für sie entlang der nationalen bzw. kontinentalen Interessen. Deshalb trifft in diesem Punkt die CDU/CSU-Kritik des Antiamerikanismus und deshalb mühen sich Berlin und seine AnhängerInnen um den Schulterschluß mit Frankreich. Verhält sich Paris wie die Regierung Mitterand zu Beginn des zweiten Golfkrieges ("Nun sprechen die Waffen!") steckt Berlin in einem Dilemma.

Konsequent und richtig ist allein die Position, welche die Grenzlinien des Krieges international zwischen "oben" und "unten" zieht, d.h. zwischen den Klassen. Hier greift der Antiamerikanismusvorwurf nicht und entlarvt sich als pure Kriegstreiberei. Falls die USA die Zustimmmung der UN erlangen, wird die momentane Zusammensetzung der Antikriegsbewegung vor die Zerreißprobe gestellt. Nicht nur die Regierungsparteien, auch die PDS argumentiert mit der Sorge um die UN und das Völkerrecht. Bekommt Washington den Zuspruch – die EU hat sich mit ihrem Konsens unter Zugzwang gesetzt – stecken diese Teile in einem Dilemma.

BeobachterInnen zeigen sich erstaunt über die Demonstrationsbereitschaft vieler gerade unorganisierter Menschen. Dies sind die Folgen der internationalen Arbeitsteilung und der im Alltagsbewußtsein mittlerweile fest verankerten Erkenntnis über weltweite Zusammenhänge. Dies ist das objektive Fundament für einen "neuen" Internationalismus.

"Neu ist auch, dass die "üblichen Verdächtigen", die Aktivisten mit Hammer und Sichel, roten Fahnen oder Gewerkschaftsemblemen nicht schwächer als früher vertreten waren, im Gegenteil. Nur die schiere Masse der Demonstranten hat diese Gruppen zu einem Randphänomen gemacht. Man hatte das Gefühl, das ist eine Demonstration, die einen großen Querschnitt der Bevölkerung spiegelt. Das ist in dieser Deutlichkeit ein Novum."

Dieses Zitat aus einem Interview der Frankfurter Rundschau mit dem Sozialwissenschaftler Dieter Rucht kennzeichnet die Herausforderung für die Revolutionären SozialistInnen. Wir müssen unsere bisherige politische Arbeit, speziell das Herantreten an Menschen neu ausrichten. Wollen wir in der Masse der Demonstrierenden eine Rolle spielen, müssen wir mit unseren Antworten offener an die Menschen herantreten. D.h. dauerhafte Abwesenheit über Infostände zum Thema Krieg halten, Informationsveranstaltungen und Diskussionsabende initiieren.

An Aufmerksamkeit wird es uns nicht mangeln, die Antikriegsbewegung steht am Scheideweg. Die Leitung muss dafür Sorge tragen, dass wir zentral, aber auch vor Ort mit Fahnen und Transparenten buchstäblich sichtbarer werden. Und wir müssen in der Tat die Parole des Streiks gegen den Krieg aktiv verbreitern. Alles andere wäre Nachtrabpolitik.

Oskar Kuhn
20. 02. 2003

 


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