RSB / IV. Internationale      zurück zur Startseite

AKTUELL REGIONAL ÜBER UNS ARCHIV THEMA LINKS KONTAKTE
  AVANTI März 2003  download am Ende der Seite  
  Streik! Demos! Ziviler Ungehorsam!

 

 

 

Innen
Harte Tarifrunde bei der Bahn AG

Am 28. Februar dieses Jahres läuft der Entgelttarifvertrag (ETV) bei der Deutschen Bahn AG aus. Er gilt für die fünf Kernunternehmen DB Netz, DB Reise & Touristik, DB Regio, DB Cargo und DB Station & Service, aber nicht für eine Reihe weiterer Tochterunternehmen wie DB Services oder DB Dialog.

Dieser auslaufende Tarifvertrag hatte mit 28 Monaten eine verhältnismäßig lange Laufzeit und mit Entgelterhöhungen von 2,0 Prozent zum 01.11.2000 und 2,4 Prozent zum 01.03.2002 eine mehr als moderate Steigerungsrate. Für die Eisenbahner- innen und Eisenbahner in Ostdeutschland sah er eine Anpassung auf mittlerweile 90 Prozent der Westeinkommen vor. Das bedeutet in der Praxis immer noch, dass z.B. ein Lokführer in Dresden bei gleicher Tätigkeit mit ca. 200 Euro im Monat weniger im Portemonnaie nach Hause geht als sein Kollege in Köln.

Der letzte Tarifabschluss war nicht der erste "moderate" der Tarifparteien. Im Rahmen des sogenannten Beschäftigungsbündnisses Bahn schlossen die drei tariffähigen Gewerkschaften bei der Bahn AG, Transnet, GDBA und GDL auch bei den Tarifrunden davor Lohn- und Gehaltserhöhungen ab, die, wenn überhaupt, nur unwesentlich die Realeinkommen der Bahnbeschäftigten anhoben. Dies geschah alles unter der Prämisse, die sogenannte Bahnreform nicht zu gefährden, zur Sanierung des größten Staatsunternehmens beizutragen und Arbeitsplätze "sozialverträglich" abzubauen.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Die Arbeitsproduktivität je Beschäftigten stieg in den letzten 6 Jahren um 140 Prozent, es wurden ca. 70.000 Arbeitsplätze vernichtet und die Bilanz des Bahnkonzerns weist keine tiefroten Zahlen mehr auf – und das beim mittlerweile fast vollständigen Wegfall der Bundeszuschüsse für die durch den Anschluss der DDR bzw. die Bahnreform entstandenen Sonderbelastungen.

Ende des Schmusekurses

Nun scheint aber der Schmusekurs der größten Gewerkschaft Transnet beendet zu sein, wenn man den Worten des Vorsitzende Norbert Hansen glauben will. Nachdem ein sogenannter Ergänzungstarifvertrag bei der für den Nahverkehr zuständigen Tochter DB Regio, durch erhebliche Proteste an der Basis im Dezember vorigen Jahres auf Eis gelegt wurde (siehe Avanti Januar), fand und findet zur Zeit eine breite Mitgliederdiskussion statt, welche die laufende Tarifrunde begleiten soll. Mit "Basisdialogen" und "Stammtischen" soll die gewerkschaftliche Demokratie neue Impulse bekommen, damit die Verhandlungsdelegation bzw. die Tarifkommission nicht im luftleeren Raum verhandelt.

Dies ist auf jeden Fall zu begrüßen, doch war die Resonanz auf die Veranstaltungen von Ort zu Ort sehr unterschiedlich. An einigen Orten scheint die Resignation in der Mitgliedschaft tiefer zu liegen als einige hauptamtliche Funktionäre glauben. Hier wird sich jahrelang vernachlässigte Basisarbeit – erschwert durch ständige Strukturänderungen und räumliche Ausdehnung des Bahnbetriebs sowie abgehobene Funktionärstätigkeit – nicht von heute auf morgen verändern lassen. Eine wirklich erfolgreiche Tarifrunde wird aber ein positiver Schritt zur Überwindung der Resignation sein.

5 % und Angleichung der Ostlöhne an das Westniveau

Ergebnis der Diskussionen an der Basis und in den Regionen war schließlich eine Tarifforderung von 5 Prozent allgemein und eine möglichst sofortige Angleichung der Ostlöhne an die in den westlichen Bundesländern. Besonders letzterer Aspekt wurde von den Kolleginnen und Kollegen in Ostdeutschland zum Teil kämpferisch eingefordert. Sie sind nicht mehr bereit, die Unterschiede im Einkommensniveau hinzunehmen, zumal ihre Arbeitsplätze dadurch nicht sicherer geworden sind. Das wird u.a. bei der noch immer nicht beendeten Schließungsorgie der Instandhaltungswerke deutlich. So liegen von den acht betroffenen größeren Werken allein fünf im Osten.

Auch mit der allgemeinen Forderung von 5 Prozent sagt mensch deutlich, dass es eindeutig um eine auf Einkommenszuwachs orientierte Tarifrunde geht und das bei einer Laufzeit von 12 Monaten, um eine weitere Abkopplung der Bahnbeschäftigten von der allgemeine Tarifentwicklung zu verhindern. Andere Forderungen, wie z.B. Reduzierung der Arbeitszeit, finden besonders im Osten kaum Resonanz, da man durch das z.T. massive Ansteigen der Preise und Sozialabgaben das Geld wenigstens für die Erhaltung des Lebensstandards benötigt.

Dem steht ein mehr als mageres Angebot des Bahnvorstandes gegenüber. Einkommenszuwachs in Höhe der offiziellen Inflationsrate und besonders die Laufzeit von 36 Monaten, werden als eine Frechheit betrachtet. Schon jammert Bahnchef Mehdorn in der bundesweiten Mitarbeiterzeitung "Bahnzeit" (von den Kollegen auch als "Bahn-Bild" verspottet) herum, die Forderungen gefährdeten den Sanierungskurs, der 2004 weitgehend zum Abschluss kommen und mit dem Börsengang gekrönt werden soll.

All diese Ausgangsbedingungen deuteten auf eine zähe Tarifrunde hin. Die Gewerkschaftsführung der Transnet hat hoffentlich begriffen, dass sie ohne intensive Einbeziehung der Basis im Regen stehen bleibt und die Resignation noch größer wird.

Um den diesjährigen Forderungen noch mehr Gewicht zu verschaffen, plant die Transnet am 14. März eine Großdemonstration vor dem "Bahntower" am Potsdamer Platz in Berlin.

Korrespondent

 

 


zu diesem Artikel einen Leserbrief schreiben

Clements Masterplan: Wie Mehltau auf den Lohnabhängigen!
Wie weiter mit der Antikriegsbewegung?
München: Erfolgreiche Demo gegen die NATO
 

Betrieb & Gewerkschaft

Gewerkschaften und Krieg
Harte Tarifrunde bei der Bahn AG
 

Schwerpunkt

Frauen in der Mobilisierung gegen die NATO
„Frauen und Kinder leiden am meisten unter den Vertreibungen“
US-GewerkschafterInnen gegen den Krieg
 

Umwelt

Katastrophe im Weltraum
   
 

International

Chemiewaffen: Deutschland gibt Gas
USA Politik: Kontrolle ist besser
Beteiligung an den Antikriegsprotesten
Venezuela: Ein Generalstreik, der keiner war und eine Revolution, die eine werden könnte
Das 3. Weltsozialforum und die Perspektiven
Bei Krieg: Streik!
 

Aus der Vierten

15. Weltkongress der IV. Internationale
 

Und....

Leserbrief
Gewinne und Entlassungen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Avanti Februar 2003: download der Internetseiten ~ 120 kb
Avanti Februar 2003: download im Originallayout (ohne Bilder) ~ 190 kb

Ältere Avanti 
Ausgaben im Archiv