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Kontrolle ist besser
Die Besetzung des Irak soll den USA erlauben, auch in Zukunft den Ölpreis in
ihrem Interesse zu regulieren
"Die Ölfelder sind Eigentum des irakischen Volkes",
versichert US-Außenminister Colin Powell treuherzig. So recht mag ihm aber
kaum jemand glauben, dass die mächtigste Armee der Welt das Land mit den
weltweit zweitgrößten Ölvorräten besetzen will, ohne einen Gedanken an dessen
Bodenschätze zu verschwenden.
Um einen schlichten Raubkrieg handelt es sich jedoch nicht.
Es geht nicht um die Verteilung einzelner Quellen an bestimmte Konzerne, ein
solcher Krieg wäre nicht rentabel. Entscheidend ist die politische Hegemonie
über die Golfregion, in der etwa drei Fünftel der weltweit nachgewiesenen
Ölvorräte liegen. Diese Hegemonie erlaubt die Kontrolle des Ölpreises und
vermittelt privilegierte Geschäftsbeziehungen zu den Förderstaaten. Denn auch
im Zeitalter des sogenannten Freihandels soll der Preis des wichtigsten
Rohstoffs nicht den im Kapitalismus üblichen Unsicherheiten unterliegen.
Zweifellos würden sich die meisten Konzerne über einen
sinkenden Ölpreis zunächst freuen. Bedeutsamer als dieser kurzfristige Vorteil
ist jedoch die Versorgungssicherheit und die Stabilität der Förderstaaten. Für
eben solche Fälle, in denen das kurzfristige Profitinteresse die langfristige
wirtschaftliche Stabilität gefährdet, hält sich das Kapital einen Staat,
dessen politische und militärische Interventionen seine
Reproduktionsbedingungen sichert. Ein Geschäft, das die USA und Großbritannien
bislang recht erfolgreich erledigt haben.
Der petro-militärische Komplex
In den siebziger Jahren galt die OPEC, die Organisation
Erdölexportierender Staaten, als ernsthafte Gefahr für den Westen. Zwar
blockierten dessen Verbündete eine massive Preiserhöhung, ein solcher Schritt
wäre damals aber immerhin möglich gewesen. Um diese unhaltbare Situation zu
beenden, nutzte man die Gelegenheit, die der erste Golfkrieg bot. Nach dem
irakischen Überfall auf den Iran im September 1980 unterstützte der Westen
Saddam Hussein, ohne ihm jedoch zum Sieg zu verhelfen. Denn mit einem langen
Krieg, der beide Staaten zwang, ihr Öl auch weit unter dem Marktpreis zu
verkaufen, war den westlichen Interessen weit besser gedient.
Als der Krieg 1988 beendet wurde, war die Macht der OPEC
gebrochen, in ihrem geschwächten Zustand aber konnte sie durchaus von Nutzen
sein. Mit Hilfe der Golfmonarchien, die eng mit den USA und Großbritannien
verbündet sind und dort auch einen Großteil ihrer Öleinnahmen angelegt haben,
konnte über die OPEC der Ölpreis kanalisiert werden. Durch den zweiten
Golfkrieg verfestigte sich dieses System, Saudi-Arabien, das seine Fördermenge
von fünf auf acht Millionen Barrel pro Tag erhöht hatte, um den zeitweiligen
Ausfall des Irak zu kompensieren, wurde nach dem Zerfall der Sowjetunion zum
größten Ölproduzenten der Welt.
Damit alle Beteiligten auf ihre Kosten kommen, einigte man
sich auf einen Richtpreis (derzeit 25 Dollar/Barrel), der nicht um mehr als
drei Dollar über- oder unterschritten werden soll. Da Kriege und Streiks die
Fördermenge schnell drastisch herabsetzen, die Geldnot eines Förderlandes sie
aber auch drastisch erhöhen kann, bedarf dieses System eines "swing
producers", der solche Schwankungen ausgleicht.
Swing producer gesucht
Um diese Rolle spielen zu können, muss ein Staat die
Kapazität haben, seine Fördermenge schnell zu steigern, und er muss politisch
zuverlässig sein. Abhängig vom militärischen Schutz der USA und regiert von
einer absolutistischen Monarchie, die jede Opposition unterdrückt, schien
Saudi-Arabien zunächst der ideale swing producer zu sein. Nach dem 11.
September kamen in der US-Regierung allerdings Zweifel auf, ob das
fundamentalistische Königshaus der Saudis wirklich eine so gute Besetzung für
eine so wichtige Schaltstelle der Weltwirtschaft ist. Denn 15 der 19
Attentäter kamen aus Saudi-Arabien. Al-Qaida wurde nach bisherigen
Erkenntnissen überwiegend aus Saudi-Arabien finanziert und hat dort
Verbindungen bis ins Königshaus.
Mit dem Irak steht ein Nachbarland bereit, das die
US-Regierung zum alternativen "swing producer" aufbauen will. Die irakischen
Produktionskapazitäten können in kurzer Zeit von derzeit etwa 2,5 auf über
vier Millionen Barrel erhöht werden. Allerdings hat der von den USA geführte
petro-militärische Komplex nicht nur westliche Konkurrenten verärgert, die
ihren Ausschluss von wichtigen Entscheidungen und Geschäften nicht hinnehmen
wollen und auch nach einem Krieg versuchen werden, die US-Pläne zu
torpedieren. Hier liegt auch ein Bruchpunkt mit der irakischen Bevölkerung und
Opposition. Auch jene Fraktionen, die bereit sind, mit den USA zu kooperieren,
haben gegen die Pläne einer längeren US-Militärverwaltung protestiert und
werden sich auch ihre Ölpolitik nicht von Washington diktieren lassen wollen.
Harry Tuttle
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