Schon von Beginn der Bündnisverhandlungen an, wurde die
Forderung aufgestellt, dass sowohl bei dem Gegenkongress wie auch bei den
Demonstrationen Frauen einen festen Platz bekommen sollten. Obwohl die meisten
linken Frauenstrukturen schon lange zusammengebrochen sind, konnten doch
einige Aktivitäten für eine eigene Frauenmobilisierung entwickelt werden. Auf
dem Kongress fand daher auch ein Forum unter dem Titel "Militarisierung und
Patriarchat" statt.
Auch wenn der Ansatzpunkt der Referentinnen, nämlich die
Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit als ein Hauptmerkmal patriarchaler
Gesellschaften, vor allem die profitwirtschaftliche Seite von Militarismus
ausblendete, wurden doch einige interessante Aspekte der Verbindung von
Frauenunterdrückung und Krieg dargestellt. Als Beispiel kann hier vor allem
der Zusammenhang zwischen Krieg und der Ausbeutung des weiblichen Körpers, als
deutlichste und krasseste Form der Diskriminierung von Frauen in
Kriegsgebieten, genannt werden. Denn dort ist meistens neben Drogen und Waffen
der Handel mit Frauen zum "Marktsegment" geworden. In der Diskussion wurde
angeregt, dass es jetzt in der Antikriegsbewegung vor allem die
Auseinandersetzung darüber braucht, wie neue feministische Ansätze entwickelt
werden können. Verbindungen müssen deutlich gemacht und neue Formen, Räume und
Strukturen geschaffen werden, in welchen sich antipatriarchale und somit
radikale Widerstandsperspektiven gegen Krieg und Globalisierung entwickeln
können.
Frauen im Bündnis
Üblicherweise sind linke Frauen in Bündnissen und auf den
Redetribünen unterrepräsentiert. Das gleiche gilt auch für Inhalte, die
versuchen ein spezielles Thema, wie etwa Krieg mit der gesellschaftlichen
Diskriminierung von Frauen zu verbinden. Deshalb ist es ein positives Signal,
dass im Aufruf des Bündnisses gegen die NATO-Sicherheitskonferenz darauf
aufmerksam gemacht wird, dass Frauen gesondert von Kriegshandlungen betroffen
sind: "Die patriarchalen Struktur von Kriegen und militarisierten
Gesellschaften richtet sich verstärkt gegen Frauen und Kinder. Es gibt einen
engen Zusammenhang von Krieg und der Zunahme männlicher Gewalt, von Krieg und
Vergewaltigung, von Militär und Prostitution."
Neben diesem inhaltlichen Bezug gab es dieses Jahr das
erste Mal seit langem wieder einen Aufruf auf der Demo am 8.2. einen
Frauen-/Lesbenblock zu organisieren. Nachdem durch das Ende der aktiven
Frauenbewegung auch innerhalb der Linken das Thema Patriarchat und Feminismus
quasi in Vergessenheit geraten ist, ist es wichtig, dass Frauen dieses Mal
wieder ausdrücklich aufgerufen wurden, gegen das Treffen der Weltkriegselite
zu protestieren. Da die Demo wesentlich größer wurde als erwartet und die
Blockaufteilung nicht wie geplant durchgeführt werden konnte, war auch leider
vom Frauen-/Lesbenblock wenig zu sehen.
Was aber zählt, ist die Initiative einen solchen Block zu
formieren, denn dabei handelt es sich um den Ausdruck einer positiven
Entwicklung, die wieder sichtbar machen möchte, dass Frauen auch spezifische
Interessen haben gegen Krieg und Militarismus zu demonstrieren. So gab es auf
der Demo sogar einen eigenen Redebeitrag "Gegen Patriarchat und die
Militarisierung der Gesellschaft" und Frauen aus dem Bündnis organisierten
einen eigenen Treffpunkt für das ganze Wochenende.
Frauen gegen Krieg mobilisieren
Um eine breite Antikriegsbewegung aufzubauen, müssen alle
Interessen diskutiert und einbezogen werden. Daher ist es wichtig zu
versuchen, auch spezifische Fraueninteressen gegen den imperialistischen Krieg
zu mobilisieren. Ein Anknüpfungspunkt kann wie bei der Münchner Mobilisierung
die Betroffenheit von Frauen in den Kriegsgebieten sein. Deshalb sollte unsere
Antikriegspolitik die Zusammenhänge von militärischer Besetzung und
Frauenhandel, Vergewaltigung als Kriegstaktik sowie Armee und Prostitution
deutlich thematisieren. Hier geht es sowohl um Frauen als Opfer von Kriegen
wie auch um die Rechte von Frauen als Flüchtlinge.