Im Dezember 1980 hieß es in dem Babcock-internen
"Mitarbeiterbrief Nr. 37" unter der Überschrift "Kontakte zum Irak gefestigt":
"Auf Einladung des Vorstandes der Deutschen Babcock AG besuchte Anfang
November der Botschafter der Republik Irak, Seine Exzellenz Bassim Al Bazzaz,
die Deutsche Babcock AG Oberhausen. Vorstandsmitglied Dipl.-Ing. Axel Kemna
unterstrich in seiner Begrüßungsansprache das Interesse der Gruppe Deutsche
Babcock, die bisherigen wirtschaftlichen Verbindungen mit dem Irak zu
verstärken [...] Hauptbesprechungsthemen waren der Bau kompletter Kraftwerke
für den Irak sowie die Lieferung von Zellstofffabriken, Weißzementwerken und
ähnlicher schlüsselfertiger Fabriken aus dem Lieferprogramm unserer Gruppe.
[...]Mit Befriedigung nahm der Botschafter zur Kenntnis, daß Babcock eine der
wenigen ausländischen Firmen ist, die im Irak zwei Büros unterhält und dass
diese auch während der kriegerischen Auseinandersetzungen ununterbrochen
besetzt gewesen sind". Natürlich ließ Babcock in der Zeit auch die Kontakte
zum Kriegsgegner Saddam Husseins, dem Staat Iran, dem früheren Hauptaktionär
des Konzerns, nicht abreißen.
Giftgas gegen Halabja
Was das "Lieferprogramm unserer Gruppe" beinhaltete, sollte
sich acht Jahre später herausstellen.
Im März 1988 griff das Militärregime von Saddam Hussein die
im Norden des irakischen Staates gelegene kurdische Stadt Halabja mit Giftgas
an. 5000 Menschen starben als Opfer des größten Giftgasangriffs seit dem
ersten Weltkrieg. Der Einsatz war nicht neu. Allein im Golfkrieg setzte der
Irak zwischen 1980 und 1984 133 Mal Giftgas ein.
Im Januar `89 legte die Kurdische Vereinigte Front
den Vereinten Nationen in Genf eine Dokumentation zu Halabja vor. Darin wurden
31 ausländische Unternehmen beschuldigt, an der "Errichtung der
Chemiewaffenfabriken direkt oder indirekt" beteiligt gewesen zu sein. Die
zusammengestellte Liste beruhte auf Dokumenten einer zentralen
Regierungseinrichtung in Bagdad, über die sämtliche irakische Import- und
Exportgeschäfte abgewickelt und kontrolliert wurden. Am 26.1.89
veröffentlichte die TAZ eine Liste mit "Unternehmen und Staaten, die an
der Giftgasproduktion im Irak beteiligt sind". Unter der Rubrik "Ausländische
Firmen, die direkt oder indirekt an der Entwicklung der chemischen
Waffenfabriken beteiligt sind" wurden die damalige "Deutsche Babcock" und die
"Preussag", einer ihrer Hauptaktionäre, aufgelistet.
Im Dezember 1990 schrieb die Bunte Liste Oberhausen: "Am
Bau einer chemischen Waffenfabrik im Irak war die Oberhausener Deutsche
Babcock AG wohl über die Erstellung einer Aufbereitungsanlage für hochreines
Wasser durch eine Konzerntochter beteiligt". In der Dokumentation Tatort
Irak hieß es in einer Lieferliste: "1987, C-Waffenproduktion, Falluja"
[...] Involviert in das Falluja-Projekt sind außerdem die Firmen [...]
Deutsche Babcock". Die Zeitung AK schrieb am 14.1.91 über Falluja:
"Hier wurden seit 1986 zwei Anlagen zur Produktion von Ausgangsstoffen für
Nervengase wie Tabun errichtet. Eine zur Produktion von Phosphtrichlorid, die
andere für Phosphoroxidtrichlorid. Ebenso ist hier eine Anlage zur Produktion
von Thiodiglykol geplant, dem Ausgangsstoff für Lost".
Zwar wurde der Irak wegen des Einsatzes von Giftgas schon
am 21.3.86 vom UN-Sicherheitsrat direkt verurteilt. Aber die UN-Resolution
verstaubte in den Archiven. Schließlich war damals Saddam Hussein ein treuer
Verbündeter der USA im Kampf gegen den angeblichen "Hitler" Khomeni. Daher sah
die Bundesregierung nicht den geringsten Anlass, gegen deutsche Firmen wie z.
B. Babcock Ermittlungen zu führen. Dass dann 1990 wegen der
Zahlungsunfähigkeit des Irak Forderungen aus einem Auftrag mit einem Volumen
von 150 Mio. DM "uneinbringbar" wurden, konnte Babcock-Chef Wiehn unter
Geschäftsrisiko abhaken.
Fertig zum Atomschlag
Im Juli 1999 lieferte die zum Babcock-Borsig-Konzern
gehörende HDW in Kiel das U-Boot Dolphin an Israel aus. Es war das
erste von drei U-Booten, die Atomraketen verschießen können. Dazu berichtete
die Süddeutsche Zeitung vom 1.9.99: "Dass der Atommacht Israel
möglicherweise nuklear-taugliche U-Boote geliefert werden, halten
Rüstungsexperten für bedenklich".
Die von der HDW gebaute Dolphin verfügt über sechs
Torpedorohre 53,3 cm entsprechend dem international üblichen Standard und über
vier übergroße Torpedorohre 65 cm. In einem Schreiben des
Bundesverteidigungsministeriums hieß es dazu, die 65 cm Torpedorohre seien zum
Abschuss für Seeziel-Flugkörper vom Typ Sub-Harpoon. Diese nicht-atomaren
Schiffs-Schiffs-Raketen werden unter Wasser abgeschossen – allerdings aus 53,3
cm Rohren. Die SZ schrieb: "Es gibt derzeit überhaupt keine
Unterwasser-Waffen, für die 65 cm Rohre nötig wären".
Die Süddeutsche weiter: "Die Hersteller der Boote,
die Howaldswerke Deutsche Werft und die Thyssen Nordseewerke, schweigen zum
Dolphin-Projekt. Licht ins Dunkel bringt vielleicht eine Meldung in einer
Zeitschrift Jane`s. Israel, so heißt es, ... wolle die Boote mit einer
‚umgebauten‚ Sub-Harpoon ausstatten. Diese soll einen in Israel entwickelten
Atomsprengkopf tragen sowie ein Elektronik-Paket zur Steuerung der Rakete."
Jane`s defense weekly ist die bedeutendste internationale
Militärzeitschrift. Und bereits 1990 wusste der ehemalige Kommandeur der
israelischen Marine, A. Botzer, zur geplanten Rolle der U-Boote der
Dolphin-Klasse, "sie seien die Garantie, dass kein Feind, der Israel mit
nicht-konventionellen Waffen angreife, ungeschoren davon komme".
Tests sollten bald anlaufen. Unter der Überschrift "Israel
testete Marschflugkörper. Zwei aus Deutschland gelieferte U-Boote dienten als
Abschussbasis" schrieb die NRZ vom 19.06.2000: "London (dpa). Israel
hat von zwei aus Deutschland gelieferten U-Booten aus Marschflugkörper
abgefeuert, die mit Atomraketen bestückt werden können. Nach einem Bericht der
britischen Zeitung The Sunday Times ist Israel neben den USA und
Russland das dritte Land, das Atomwaffen von U-Booten starten könne. Zu den
Tests im vergangenen Monat seien zwei der insgesamt drei U-Boote des Typs
"Delfin" verwendet worden, die von Deutschland finanziert und gebaut wurden.
Dem Bericht der Zeitung zufolge, die sich auf Quellen des
Verteidigungsministeriums berief, fanden die Tests im Mai in der Nähe von Sri
Lanka statt. Die Cruise Missiles hätten Ziele in 1500 Kilometer Entfernung
getroffen. Obwohl Israel niemals zugegeben habe, über Atomwaffen zu verfügen,
könne davon ausgegangen werden, dass der Staat über 100 bis 200
Atomsprengköpfe verfüge. Auch die Marschflugkörper könnten mit Atomwaffen
bestückt werden". Soweit die NRZ.
Atommacht BRD?
Der Bau der U-Boote für Israel durch die Babcock gehörende
HDW hat noch einen besonderen Gesichtspunkt, weil Babcock ein
sozialdemokratischer Konzern war bzw. ist. Die Babcock Borsig AG wurde direkt
zu 33% von der Preussag und zu 10% von der Westdeutschen Landesbank
kontrolliert. Hinter Preussag steckt wiederum mit 25% die Gesellschaft für
Energie- und Versorgungswerte mbH, eine 100%ige Tochter der WestLB. Die WestLB
gehört zu 43% dem Land NRW und der Rest den NRW-Landschafts- und
Sparkassenverbänden. Die abstrakten Zahlen haben Namen und Adresse: Friedel
Neuber als Chef der WestLB und Wolfgang Clement als ehemaliger Chef der
Landesregierung und jetziger Superminister in Berlin. Vom Sparkassendirektor
bis zum Vorstandsvorsitzenden ist die WestLB durch und durch
sozialdemokratisch. Und umgekehrt: Die NRW-SPD ist an ihrer Spitze mit dem
Finanzkapital der WestLB verschmolzen.
Und wer finanzierte die U-Boote? Darüber berichtete das
Magazin Focus vom 3. Juli 2000. Dort hieß es: "Die Bundesregierung,
wegen der Beihilfe deutscher Firmen für Saddam Husseins Kriegsmaschinerie
international am Pranger, übernahm das Gros der Kosten von über 1,5 Mrd. DM.
Die Thyssen Nordseewerft in Emden und die Howaldtswerke-Deutsche Werft in Kiel
durften sich den Auftrag teilen". Kaum zu glauben, dass die BRD 1,5 Mrd. DM
ohne Gegenleistung für den Bau von U-Booten für Atomraketen verschenkt. Die
Gegenleistung Israels könnte in einem Technologietransfer an die BRD bestehen.
Die Kooperation mit Israel bietet der BRD die Möglichkeit, sich heimlich das
know-how einer Atommacht anzueignen. Es fehlen nur noch die entsprechenden
Bomben.