RSB / IV. Internationale      zurück zur Startseite

AKTUELL REGIONAL ÜBER UNS ARCHIV THEMA LINKS KONTAKTE
  AVANTI Februar 2003  download am Ende der Seite  
  Kein Blut für Öl!

 

 

 

INNEN
Deutsche Konzerne im Nahen Osten
Mord und Atomschlag

“Deutsche Waffen, deutsches Geld, morden mit in aller Welt”, heißt es zu Recht auf Antikriegsdemonstrationen. Konzerne, wie die mittlerweile insolvente Babcock Borsig AG, haben dazu beigetragen, die Rüstungsspirale im Nahen Osten anzuheizen. Dabei bediente Babcock Irak und Israel.

Im Dezember 1980 hieß es in dem Babcock-internen "Mitarbeiterbrief Nr. 37" unter der Überschrift "Kontakte zum Irak gefestigt": "Auf Einladung des Vorstandes der Deutschen Babcock AG besuchte Anfang November der Botschafter der Republik Irak, Seine Exzellenz Bassim Al Bazzaz, die Deutsche Babcock AG Oberhausen. Vorstandsmitglied Dipl.-Ing. Axel Kemna unterstrich in seiner Begrüßungsansprache das Interesse der Gruppe Deutsche Babcock, die bisherigen wirtschaftlichen Verbindungen mit dem Irak zu verstärken [...] Hauptbesprechungsthemen waren der Bau kompletter Kraftwerke für den Irak sowie die Lieferung von Zellstofffabriken, Weißzementwerken und ähnlicher schlüsselfertiger Fabriken aus dem Lieferprogramm unserer Gruppe. [...]Mit Befriedigung nahm der Botschafter zur Kenntnis, daß Babcock eine der wenigen ausländischen Firmen ist, die im Irak zwei Büros unterhält und dass diese auch während der kriegerischen Auseinandersetzungen ununterbrochen besetzt gewesen sind". Natürlich ließ Babcock in der Zeit auch die Kontakte zum Kriegsgegner Saddam Husseins, dem Staat Iran, dem früheren Hauptaktionär des Konzerns, nicht abreißen.

Giftgas gegen Halabja

Was das "Lieferprogramm unserer Gruppe" beinhaltete, sollte sich acht Jahre später herausstellen.

Im März 1988 griff das Militärregime von Saddam Hussein die im Norden des irakischen Staates gelegene kurdische Stadt Halabja mit Giftgas an. 5000 Menschen starben als Opfer des größten Giftgasangriffs seit dem ersten Weltkrieg. Der Einsatz war nicht neu. Allein im Golfkrieg setzte der Irak zwischen 1980 und 1984 133 Mal Giftgas ein.

Im Januar `89 legte die Kurdische Vereinigte Front den Vereinten Nationen in Genf eine Dokumentation zu Halabja vor. Darin wurden 31 ausländische Unternehmen beschuldigt, an der "Errichtung der Chemiewaffenfabriken direkt oder indirekt" beteiligt gewesen zu sein. Die zusammengestellte Liste beruhte auf Dokumenten einer zentralen Regierungseinrichtung in Bagdad, über die sämtliche irakische Import- und Exportgeschäfte abgewickelt und kontrolliert wurden. Am 26.1.89 veröffentlichte die TAZ eine Liste mit "Unternehmen und Staaten, die an der Giftgasproduktion im Irak beteiligt sind". Unter der Rubrik "Ausländische Firmen, die direkt oder indirekt an der Entwicklung der chemischen Waffenfabriken beteiligt sind" wurden die damalige "Deutsche Babcock" und die "Preussag", einer ihrer Hauptaktionäre, aufgelistet.

Im Dezember 1990 schrieb die Bunte Liste Oberhausen: "Am Bau einer chemischen Waffenfabrik im Irak war die Oberhausener Deutsche Babcock AG wohl über die Erstellung einer Aufbereitungsanlage für hochreines Wasser durch eine Konzerntochter beteiligt". In der Dokumentation Tatort Irak hieß es in einer Lieferliste: "1987, C-Waffenproduktion, Falluja" [...] Involviert in das Falluja-Projekt sind außerdem die Firmen [...] Deutsche Babcock". Die Zeitung AK schrieb am 14.1.91 über Falluja: "Hier wurden seit 1986 zwei Anlagen zur Produktion von Ausgangsstoffen für Nervengase wie Tabun errichtet. Eine zur Produktion von Phosphtrichlorid, die andere für Phosphoroxidtrichlorid. Ebenso ist hier eine Anlage zur Produktion von Thiodiglykol geplant, dem Ausgangsstoff für Lost".

Zwar wurde der Irak wegen des Einsatzes von Giftgas schon am 21.3.86 vom UN-Sicherheitsrat direkt verurteilt. Aber die UN-Resolution verstaubte in den Archiven. Schließlich war damals Saddam Hussein ein treuer Verbündeter der USA im Kampf gegen den angeblichen "Hitler" Khomeni. Daher sah die Bundesregierung nicht den geringsten Anlass, gegen deutsche Firmen wie z. B. Babcock Ermittlungen zu führen. Dass dann 1990 wegen der Zahlungsunfähigkeit des Irak Forderungen aus einem Auftrag mit einem Volumen von 150 Mio. DM "uneinbringbar" wurden, konnte Babcock-Chef Wiehn unter Geschäftsrisiko abhaken.

Fertig zum Atomschlag

Im Juli 1999 lieferte die zum Babcock-Borsig-Konzern gehörende HDW in Kiel das U-Boot Dolphin an Israel aus. Es war das erste von drei U-Booten, die Atomraketen verschießen können. Dazu berichtete die Süddeutsche Zeitung vom 1.9.99: "Dass der Atommacht Israel möglicherweise nuklear-taugliche U-Boote geliefert werden, halten Rüstungsexperten für bedenklich".

Die von der HDW gebaute Dolphin verfügt über sechs Torpedorohre 53,3 cm entsprechend dem international üblichen Standard und über vier übergroße Torpedorohre 65 cm. In einem Schreiben des Bundesverteidigungsministeriums hieß es dazu, die 65 cm Torpedorohre seien zum Abschuss für Seeziel-Flugkörper vom Typ Sub-Harpoon. Diese nicht-atomaren Schiffs-Schiffs-Raketen werden unter Wasser abgeschossen – allerdings aus 53,3 cm Rohren. Die SZ schrieb: "Es gibt derzeit überhaupt keine Unterwasser-Waffen, für die 65 cm Rohre nötig wären".

Die Süddeutsche weiter: "Die Hersteller der Boote, die Howaldswerke Deutsche Werft und die Thyssen Nordseewerke, schweigen zum Dolphin-Projekt. Licht ins Dunkel bringt vielleicht eine Meldung in einer Zeitschrift Jane`s. Israel, so heißt es, ... wolle die Boote mit einer ‚umgebauten‚ Sub-Harpoon ausstatten. Diese soll einen in Israel entwickelten Atomsprengkopf tragen sowie ein Elektronik-Paket zur Steuerung der Rakete." Jane`s defense weekly ist die bedeutendste internationale Militärzeitschrift. Und bereits 1990 wusste der ehemalige Kommandeur der israelischen Marine, A. Botzer, zur geplanten Rolle der U-Boote der Dolphin-Klasse, "sie seien die Garantie, dass kein Feind, der Israel mit nicht-konventionellen Waffen angreife, ungeschoren davon komme".

Tests sollten bald anlaufen. Unter der Überschrift "Israel testete Marschflugkörper. Zwei aus Deutschland gelieferte U-Boote dienten als Abschussbasis" schrieb die NRZ vom 19.06.2000: "London (dpa). Israel hat von zwei aus Deutschland gelieferten U-Booten aus Marschflugkörper abgefeuert, die mit Atomraketen bestückt werden können. Nach einem Bericht der britischen Zeitung The Sunday Times ist Israel neben den USA und Russland das dritte Land, das Atomwaffen von U-Booten starten könne. Zu den Tests im vergangenen Monat seien zwei der insgesamt drei U-Boote des Typs "Delfin" verwendet worden, die von Deutschland finanziert und gebaut wurden. Dem Bericht der Zeitung zufolge, die sich auf Quellen des Verteidigungsministeriums berief, fanden die Tests im Mai in der Nähe von Sri Lanka statt. Die Cruise Missiles hätten Ziele in 1500 Kilometer Entfernung getroffen. Obwohl Israel niemals zugegeben habe, über Atomwaffen zu verfügen, könne davon ausgegangen werden, dass der Staat über 100 bis 200 Atomsprengköpfe verfüge. Auch die Marschflugkörper könnten mit Atomwaffen bestückt werden". Soweit die NRZ.

Atommacht BRD?

Der Bau der U-Boote für Israel durch die Babcock gehörende HDW hat noch einen besonderen Gesichtspunkt, weil Babcock ein sozialdemokratischer Konzern war bzw. ist. Die Babcock Borsig AG wurde direkt zu 33% von der Preussag und zu 10% von der Westdeutschen Landesbank kontrolliert. Hinter Preussag steckt wiederum mit 25% die Gesellschaft für Energie- und Versorgungswerte mbH, eine 100%ige Tochter der WestLB. Die WestLB gehört zu 43% dem Land NRW und der Rest den NRW-Landschafts- und Sparkassenverbänden. Die abstrakten Zahlen haben Namen und Adresse: Friedel Neuber als Chef der WestLB und Wolfgang Clement als ehemaliger Chef der Landesregierung und jetziger Superminister in Berlin. Vom Sparkassendirektor bis zum Vorstandsvorsitzenden ist die WestLB durch und durch sozialdemokratisch. Und umgekehrt: Die NRW-SPD ist an ihrer Spitze mit dem Finanzkapital der WestLB verschmolzen.

Und wer finanzierte die U-Boote? Darüber berichtete das Magazin Focus vom 3. Juli 2000. Dort hieß es: "Die Bundesregierung, wegen der Beihilfe deutscher Firmen für Saddam Husseins Kriegsmaschinerie international am Pranger, übernahm das Gros der Kosten von über 1,5 Mrd. DM. Die Thyssen Nordseewerft in Emden und die Howaldtswerke-Deutsche Werft in Kiel durften sich den Auftrag teilen". Kaum zu glauben, dass die BRD 1,5 Mrd. DM ohne Gegenleistung für den Bau von U-Booten für Atomraketen verschenkt. Die Gegenleistung Israels könnte in einem Technologietransfer an die BRD bestehen. Die Kooperation mit Israel bietet der BRD die Möglichkeit, sich heimlich das know-how einer Atommacht anzueignen. Es fehlen nur noch die entsprechenden Bomben.

B. B.

 


zu diesem Artikel einen Leserbrief schreiben

Bündnis für Arbeit:
Erfolgreich für das Kapital
Rechtsruck der Attac-Koordination
Hartz: Aktionsbündnis ruft zu Protesttagen auf
Betrieb & Gewerkschaft
Berliner SPD/PDS-Senat geflohen... vor dem Tarif
Tarifrunde Öffentlicher Dienst: Ziel um 72,5% verfehlt!
Schwerpunkt
Internationale Antikriegsdemo: Am 8. 2. in München
Gegen Ihren Krieg: Am 15.2. in Berlin!
Partners in Crime
Altes Europa“ gegen den Krieg? Die 5 Lügen der Bundesregierung
Kein Blut für Öl: Zehn Fragen und Antworten zum Krieg gegen den Irak
Deutsche Konzerne im Nahen Osten: Mord und Atomschlag
Streik gegen Krieg!
International
Die Regierung Lula: Ändern oder geändert werden?
Chinesische Gewerkschafter vor Gericht
Fabbrica Italiana di Automobili Torino (FIAT) – die Partie ist noch nicht entschieden
Wang Fanxi (1907-2002)
Aus der Vierten
Blowback: Eine Nation erntet, was sie gesät hat
Aus dem RSB
Diskussionen vor dem Weltkongress: Eine neue Weltlage
Osterseminar des RSB: Eine bessere Welt ist möglich!
Und....
Nazis wollen Linke abwerben!
Kurz & wichtig

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Avanti Februar 2003: download der Internetseiten ~ 120 kb
Avanti Februar 2003: download im Originallayout 1,4 mb

Ältere Avanti 
Ausgaben im Archiv