Clement schlägt vor, dass der Kündigungsschutz in
Kleinbetrieben nicht wie bisher ab sechs Beschäftigte gilt, sondern für einen
von sechs, zwei von sieben,... Hinter den Kulissen werden bereits
Kompromisslinien mit der Gewerkschaftsbürokratie gesucht, die nur schlechter
sein können als die bisherige gesetzliche Regelung. Clements Vorstoß fand die
ungeteilte Zustimmung der Kapitalverbände. Die Lockerung des
Kündigungsschutzes als Bonbon könnte ihnen eine neue Runde des "Bündnis für
Arbeit und Wettbewerbsfähigkeit" versüßen.
Die Strukturen des "Bündnis"
Dabei kann sich die bisherige Bilanz des "Bündnis" für das
Kapital sehen lassen. Seine arbeitenden Strukturen beschäftigen sich mit der
ganzen Bandbreite der Sozialpolitik. Arbeitsgruppen bestehen zu Steuerpolitik,
Lebens- und Wochenarbeitszeit, Rentenreform und Arbeitslosenversicherung,
Reform der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung, Arbeitszeitpolitik,
Aufbau Ost, Entlassungen und Abfindungen, Fach- und Themendialog Arbeit &
Umwelt und Aus- und Weiterbildung.
Die einzelnen Arbeitsgruppen haben wiederum Untergruppen.
So ist etwa die AG "Arbeit und Umwelt" in die Unter-AGs "CO2-Minderung im
Gebäudebestand", "Technologietransfer, Innovationen, regenerative Energien"
und "Entwicklung ländlicher Räume, nachhaltiger Tourismus" gegliedert. Darüber
schwebt eine "Steuergruppe", der wiederum eine Benchmarking-Gruppe zuarbeitet.
Diese vergleicht z.B. die Renten"reformen" in allen Staaten und soll deren
"Erfolgsrezepte" auf die BRD übertragen.
Ergebnisse
Was inhaltlich aus dieser Bündnisarbeit herauskommt,
zeigten z.B. die Ergebnisse der Benchmarking-Gruppe zur "Aktivierung der
Arbeitsmarktpolitik" Anfang 2001. "Stärkung der Eigeninitiative der
Arbeitssuchenden, Weg von einer reinen Versorgung der Arbeitslosen, Fordern
statt Fördern, Transfergesellschaften, gemeinnützige Arbeitnehmerüberlassung,
Arbeitsvermittlung durch Zeitarbeit" hießen die Schlagworte. Die
dazugehörenden Rezepte fanden ihren Eingang in die Hartz-Gesetzgebung.
Das Lohn- und Ausbildungsritual
Zwar verlangen die Kapitalverbände regelmäßig vor dem Start
einer neuen Runde des "Bündnis für Arbeit und Wettbewerbsfähigkeit" die
Einbeziehung der Lohnfrage, wogegen sich die Gewerkschaften dann – zumindest
nach außen hin – lautstark wehren. Ebenfalls wiederholt sich vor jeder neuen
Bündnissitzung das Ritual der "Zugeständnisse" des Kapitals in der beruflichen
Bildung. Dort werden dann neue Ausbildungsplätze versprochen und die
Gewerkschaften können dies ihren Mitgliedern als Erfolg verkaufen.
Aber auch ohne die Behandlung des Lohnes hat das "Bündnis"
in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte im Sinne des neoliberalen Umbaus
der Gesellschaft gemacht. Die Sachgebiete der verschiedenen Arbeitsgruppen
zeigen, wo die "Stärken" des "Bündnisses" liegen: "Reform" der Steuerpolitik,
Renten"reform", "Reform" der Arbeitslosenversicherung und gewisse gemeinsame
Zielsetzungen bei der angestrebten "Reform" der gesetzlichen
Krankenversicherung. Diese Bilanz kann sich für das Kapital sehen lassen.
Aber auch in der Lohnfrage gibt es einen nicht unwichtigen
"Erfolg" zu vermelden: Das Gesamtergebnis der Tarifrunde im Öffentlichen
Dienst von unter 1% Lohnerhöhung umgerechnet auf 1 Jahr stärkte die Regierung
SPD-Grüne – im Vergleich etwa mit dem letzten Abschluss in der
Metallindustrie. Ein ähnlicher Abschluss bei Metall hätte die staatlichen
"ArbeitgeberInnen" und ihr zentrales Projekt der Klassenzusammenarbeit in eine
schwierige Lage gebracht
Klassenmechanismus
Nun wäre ja eigentlich nichts dagegen zu sagen, dass sich
die Gewerkschaften mit allen möglichen politischen Fragen auseinandersetzen
und – unabhängig – Position beziehen. In den Strukturen des "Bündnis für
Arbeit und Wettbewerbsfähigkeit" können sich gewerkschaftliche Positionen aber
von vorneherein nicht durchsetzen. Schließlich sind in seinen
Arbeitsstrukturen der kapitalistische Staat, die KapitaleignerInnen und die
Gewerkschaften mit ihrem Personal zu je einem Drittel paritätisch vertreten.
Vielmehr werden durch die Zusammenarbeit im "Bündnis für
Arbeit und Wettbewerbsfähigkeit" die gewerkschaftlichen Forderungen
abgeschliffen. Vor allem aber wird die Gewerkschaftsbürokratie – besonders die
Spitze des DGB – systematisch und gezielt in das Projekt der
Klassenzusammenarbeit eingebunden. Ragt die Gewerkschaftsbürokratie ohnehin
aus der ArbeiterInnenklasse heraus und ist dem Druck des Kapitals und seines
Staates ausgesetzt, so ist das "Bündnis" der Punkt, wo sich der Druck der
herrschenden Klasse auf die Gewerkschaftsbürokratie umsetzt. Deshalb kann es
in Bezug auf das "Bündnis für Arbeit und Wettbewerbsfähigkeit" nur eine
Forderung für konsequente und klassenkämpferische GewerkschafterInnen geben:
"Raus!"