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Das Warten auf das Christkind ist vorbei – jetzt warten die Beschäftigten des
Öffentlichen Dienstes auf den Schlichterspruch.
Nachdem in den frühen Morgenstunden des 19. Dezember die
Tarifverhandlungen für gescheitert erklärt worden sind, wird am 6. Januar 2003
die Bundestarifkommission über den bis dahin ergangenen Schlichterspruch
beraten, auf Annahme oder Ablehnung entscheiden und spätestens am 9. Januar
wird definitiv klar sein, ob eine Urabstimmung über Streik eingeleitet wird
oder nicht.
Warnstreiks und mehr
Für viele überraschend heftig rollte schon vor den
Verhandlungen am 18. Dezember die Warnstreik- und Protestaktionswelle an.
Schon dieser kleine Vorgeschmack zeigt, wie mächtig die Ausstände des
Öffentlichen Dienstes tatsächlich sein könnten, wenn sie in ihrer geballten
Kraft losschlagen. Die zig annullierten Flüge, nur weil die Flughafenfeuerwehr
nicht ausrückt, zeigen was möglich wäre, wenn es zu einem Streik käme.
Dass das nächtliche Angebot der "Arbeitgeber" eine
Lachnummer werden würde, konnte man im Vorfeld ahnen. Vor den Kameras zeigten
sie sich überrascht, wie denn die GewerkschafterInnen tatsächlich davon
ausgehen könnten, dass etwas handfestes rauskommen könnte, man sei ja
schließlich erst am Anfang der Gespräche, und es fließe noch viel Wasser den
Rhein runter, usw., aber eine Nullrunde, na das sei doch sowieso klar. Das
Angebot, das bis Juni 2004 ganze 0,9 und 1,2 Prozent Anhebung vorsieht, sollte
mit einer Arbeitszeitverlängerung von einer halben Stunde wöchentlich, bzw.
Wegfall des AZV-Tages im Osten kompensiert werden. Nun wissen wir zumindest,
wohin die Fahrt geht. Kompensationsgeschäfte rund um die Arbeitszeit stehen
also zu befürchten.
Die Nullrunde gegenfinanzieren
Überhaupt versuchen die "Arbeitgeber" den Begriff der
Gegenfinanzierung nicht nur hoffähig zu machen, denn das ist er schon, sondern
ihn derart in die Köpfe der Bevölkerung zu hämmern, dass eine Tarifrunde ohne
100-prozentigen Ausgleich durch Gegenfinanzierung gar nicht mehr denkbar
erscheint. (Was soll denn das eigentlich für eine Lohnerhöhung sein, die man
eins zu eins (!) gegenfinanzieren muss.) Die Solidarität in der Bevölkerung
für Tarifkämpfe des Öffentlichen Dienstes zu erlangen, ist in allen
Tarifrunden immer wieder einer der Dreh- und Angelpunkte. Deswegen ist der
diesjährige vermehrte Ansatz ver.dis richtig: „Ja, ich bin der reiche
Busfahrer, der sich bei täglich wechselndem Schichtbeginn in der Hängematte
des Öffentlichen Dienstes ausruht". Selbst die ungeliebten Beamten, denen es
dieses Mal so wie auch den Krankenhäusern besonders an den Kragen gehen soll
(besondere Forderungen der "Arbeitgeber" unabhängig vom endgültigen
Abschluss), machen Stimmung: "Ich bin einer von den reichen Beamten", verteilt
ein Feuerwehrmann bei der Warnstreikkundgebung.
Am heutigen Tage, dem 22. Dezember 2003, beginnt die
Friedenspflicht. Was das Schlichtungsergebnis sein wird, bleibt abzuwarten.
Was aber jetzt schon klar ist: Das Geld für eine angemessene Lohn- und
Gehaltserhöhung ist da, auch wenn die Gewerkschaften die letzten sind, die
noch an der Wiedereinführung der Vermögenssteuer festhalten, nachdem die
ganzen SPD-Revoluzzer einer nach dem anderen einknicken. Die Wiedereinführung
wäre zumindest schon einmal ein Anfang. Und: ver.di hat die Kraft zu streiken,
auch wenn sie schon für zahnlos erklärt worden ist. Das haben die
Warnstreikaktionen eindrucksvoll bewiesen.
Ida Liethen
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