Damit sollte der Bereich, der den
Schienenpersonennahverkehr (SPNV) erbringt, dem durch Deregulierung des
öffentlichen Nahverkehrs – insbesondere durch EU-Regelungen – sich ständig
verschärfenden Wettbewerb besser gewachsen sein. DB Regio verliert immer mehr
von den Bundesländern bzw. den Zweckverbänden für den Nahverkehr
ausgeschriebene Leistungen an private und kommunale Konkurrenten.
Im Kern sah der Tarifvertragsentwurf vor – bei Beibehaltung
der Entgelte – über diverse Neuregelungen in der Anrechnung von Arbeitszeiten,
Zusatzurlaub, der Neuregelung von Zuschlägen sowie des Ersatzes des Urlaubs-
und Weihnachtsgeldes durch eine Jahresleistungsprämie die Jahresarbeitszeit
indirekt um ca. 60 - 80 Stunden zu verlängern bzw. das Jahreseinkommen um bis
zu einem Monatseinkommen zu senken. Besonders betroffen wäre das Fahrpersonal,
d.h. Lokführer und Zugbegleiter.
Unmut an der Basis
Über diesen Abschluss, der praktisch ohne Konsultation und
nur unzureichender Information der gewerkschaftlichen Basis ausgehandelt
wurde, entstand großer Unmut, besonders in den betroffenen Berufsgruppen, die
durch den Wechselschichtdienst schon starken Belastungen ausgesetzt sind.
Viele gewerkschaftliche Vertrauenspersonen sowie Betriebsräte protestierten
scharf beim geschäftsführenden Vorstand der Transnet gegen diese
Vorgehensweise. Über 1000 Kolleginnen und Kollegen traten innerhalb von 2
Wochen aus Transnet aus.
Hinzu kam, dass die relativ kleine und im Beamtenbund
organisierte Gewerkschaft der Lokführer (GDL) erstmals die Zustimmung unter
einen Tarifvertrag verweigerte und zum Jahresanfang 2003 mit Streiks drohte.
Durch Druck ihrer Basis ging die bisher eher als konservative
Beamtenorganisation bekannte GDL auf einen scharfen Konfrontationskurs
gegenüber dem Bahnvorstand und gegenüber der gewerkschaftlichen Konkurrenz von
Transnet und GDBA.
AusWirkung in Transnet
Im Ergebnis der innergewerkschaftlichen Basisproteste in
der Transnet, der harten Linie der GDL und der Ankündigung des Bahnvorstandes
sich nach Abschluss dieses Tarifvertrages, im Gegensatz zu vorherigen
Bekundungen, doch nicht an allen Ausschreibungen im SPNV zu beteiligen, zog
Transnet-Vorsitzender Hansen auf der Sitzung des Hauptvorstandes am 9.
Dezember die Notbremse und setzte die Unterzeichnung des Tarifvertrages
unbefristet aus.
Nun soll eine massive gewerkschaftliche Kampagne gegen
ruinösen Wettbewerb im öffentlichen Nahverkehr, gegen Dumpinglöhne und für ein
Tariftreuegesetz gemeinsam mit Ver.di und der GDBA gestartet werden. Die GDL
soll dabei wieder mit ins Boot geholt werden.
Der Bahnvorstand indes will nun seinerseits einen harten
Kurs fahren. An Ausschreibungen wie jetzt aktuell in Schleswig-Holstein will
man sich mit ausgegründeten Tochterunternehmen ohne bzw. mit
Haustarifverträgen beteiligen.
Die Auseinandersetzungen der letzten Wochen haben bewiesen,
dass nur eine massive Mobilisierung der Kolleginnen und Kollegen in dieser
Kampagne den weiteren Verlust von Arbeitsplätzen bei DB Regio verhindern kann.