Der grandiose Wahlsieg von Lula und der Aufstieg der
Arbeiterpartei PT zur bedeutendsten Linkspartei Brasiliens haben in
Lateinamerika und darüber hinaus große Hoffnungen geweckt. Die Arbeiterpartei
entstand in den Kämpfen der späten siebziger und der achtziger Jahre gegen die
Militärdiktatur durch den Zusammenschluss von sozialistischen und
marxistischen Strömungen mit den christlichen Basisgemeinden, die vor allem
auf dem Land tätig sind. Sie kann sich insbesondere auf die
Gewerkschaftszentrale CUT und auf die Bewegung der Landlosen MST stützen.
In Porto Alegre konnte die PT zusammen mit anderen linken
Kräften erstmals 1988 die Mehrheit im Stadtrat erobern und den
Oberbürgermeister stellen. Sie hat dort ein viel beachtetes Gegenmodell zu den
neoliberalen Politikmustern entwickelt, den sog. "Beteiligungshaushalt":
Wesentliche Teile des Haushalts werden jährlich einem mehrmonatigen
öffentlichen Diskussions- und Entscheidungsprozess unterzogen, an dem die
gesamte Bevölkerung teilnehmen und über wichtige Investitionsprojekte
entscheiden kann. Der Modellcharakter und seine internationale Ausstrahlung
haben dazu geführt, dass in Porto Alegre seit 2001 das Weltsozialforum
veranstaltet wird, der Gegenpol zum Weltwirtschaftsforum der Reichen in Davos
und Sammelpunkt der globalisierungskritischen Bewegung weltweit.
Der Autor Raul Pont spielte als Oberbürgermeister von Porto
Alegre (1997-2000) eine besondere Rolle bei der Entwicklung des
Beteiligungshaushalts. Er ist einer der wichtigsten Führer der Linken in der
brasilianischen Arbeiterpartei (PT) und insbesondere der Strömung
"Sozialistische Demokratie", die mit der Vierten Internationale verbunden ist.
Das vorliegende Buch stellt einen bedeutenden Beitrag zur Debatte der
brasilianischen Linken dar. Es handelt sich dabei um eine Sammlung von Texten,
die zu sehr unterschiedlichen Anlässen entstanden sind, jedoch vor allem drei
Themen behandeln, die weit über Brasilien hinaus auf Interesse stoßen: die
Beteiligungsdemokratie in Porto Alegre, die kritische Auseinandersetzung mit
der Entwicklung der PT und eine Analyse der Wahlen vom Oktober 2002.
Tel. 0721/3 11 83