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INNEN

Laden? Schluss!

Alle Jahre wieder, wenn die Konjunktur ins Stocken gerät oder besonders gut läuft, der Umsatz sinkt oder steigt, rufen Einzelhandelsverbände, PolitikerInnen und bürgerliche Presse nach einem Allheilmittel - der Verlängerung der Ladenöffnungszeiten.

Alles soll dadurch besser werden: mehr geöffnete Läden, mehr KundInnen, größere Umsätze, mehr Arbeitsplätze – und verschämt werden zuweilen auch größere Profite genannt. Alle Menschen würden dadurch ein glücklicheres Leben haben, dass sie auch sonntags abends oder Dienstag um 23 Uhr shoppen könnten. Die Realität sieht freilich anders aus.

Aufweichung von Errungenschaften

Für die EinzelhandelskapitalistInnen geht es hier vor allem um eines: um die weitere Aufweichung bisheriger Errungenschaften und Standards der Angestellten. Flexibilisierung und Prekarisierung sind die Folgen, weniger abgesicherte Jobs und nervendere Arbeitszeiten. Bisherige Zuschläge für Sonnabends- und Nachtarbeiten drohen mit einer solch neuen Normalarbeitszeit wegzufallen. Gerade die ohnehin unter schlechten Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhnen leidenden, zumeist weiblichen VerkäuferInnen werden noch stärker unter Druck stehen und die Hauptopfer dieser Veränderungen sein. Die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten bliebe aber auch nicht ohne Wirkung auf andere Branchen. Ist erst einmal irgendwo eine Tür geöffnet, wird sich der Flexibilisierungsdruck weiter fortsetzen.

Druck auf Kleinstbetriebe

Hochgradig irrational sind aber auch die Aussagen der EinzelhandelskapitalistInnen und ihrer Lohnschreiberlinge, dass die Ausweitung der Öffnungszeiten zu einer Umsatzvergrößerung führen könnten. In Wirklichkeit verringert sich auf Grund sinkender Reallöhne, Arbeitslosigkeit und Armut die Massenkaufkraft weiterhin. Hier kann es höchstens zu gewissen Umschichtungen innerhalb des Einzelhandels kommen. Davon werden auf jeden Fall nicht die Kleinstbetriebe, welche auf Selbstausbeutung und kaum auf Lohnarbeit beruhen, profitieren. Diese können dann noch weniger mit den großen Ketten konkurrieren, viele werden sich in die länger werdende Liste der Insolvenzen einreihen. Ansonsten ist nur noch zu erwarten, dass viele Menschen ihr Bier nicht mehr an der Nachttankstelle, sondern im nun rund um die Uhr geöffneten Supermarkt kaufen werden.

Kürzere Arbeitszeit statt längere Öffnungszeiten

Lohnabhängigen gegenüber wird versucht, die Aufweichung des Ladenschlusses damit schmackhaft zu machen, dass sie nun angeblich häufiger und weniger gehetzt einkaufen können. Sehr viel logischer wäre es da doch, alle Arbeitszeiten massiv und bei vollem Personalausgleich zu verkürzen – was natürlich nicht mit dem, sondern nur gegen das Kapital zu machen sein wird. Jedenfalls hat die ArbeiterInnenklasse von rund um die Uhr geöffneten Geschäften nichts zu gewinnen, weder als dort ArbeitendeR, noch als KonsumentIn. Und neben einer allgemeinen Arbeitszeitverkürzung sollte mensch sich auch über eine öffentliche Kontrolle der Preise oder eine automatische Anpassung der Löhne an die Preissteigerung, zusätzlich zu den hoffentlich durchgesetzten Lohnerhöhungen in der Tarifrunde, Gedanken machen.

joe hill


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